Dinge, die in den USA ganz anders sind, Teil 18 und letzter Teil: Rodeo

Wir machen uns auf nach Hamilton/Montana. Das ist Cowboy-Land. Es liegt im County Ravalli. Dort findet heute das „Ravalli County Fair Rodeo“ statt. Riesenräder, Schiffschaukeln, Geisterbahn. So weit, so gut. Doch hier gibt es noch mehr. Das Ganze ist so eine Art Landwirtschaftsmesse. Man kann Obst und Gemüse angucken, einen gläsernen Bienenstock, aber auch alte Autos und Traktoren.
Außerdem präsentieren sich hier die “4 H Clubs”, in denen sich “Americas Future Farmers” züchterisch schulen. Die 4 H Clubs sind eine internationale Organsiation, die Jugendlichen praktische Fertigkeiten vermitteln soll, die sie in ihrem späteren Berufsleben brauchen können. In diesem Fall ist das die Zucht von Rindern, Schafen, Ziegen und Schweinen. Die Abkürzung „4 H“ steht für “Head, Heart, Hands and Health”. Stark. Die 4 H Clubs sind mit der Landjugend in Deutschland vergleichbar.
Jedenfalls präsentieren sich hier tatsächlich die Jugendlichen mit ihrem Zuchtvieh. Mit einem kleinen Plakat über dem Stall.
Rodeo 1
Neben fettigen Nahrungsmitteln gibt es weitere höchst erstaunliche Angebote. Klar. Cowboyhüte. Es gibt Hippy-Klamotten, Geldschränke und bei ein paar religiösen Eiferern kann man Bibeln aus einem Glaskasten angeln. Petrus, Fischer, Symbolik. Uiuiui.
Und dann kommt der Höhepunkt. Die USA-Erfahrung schlecht hin. Das Rodeo. Wir begeben uns auf die Zuschauertribüne, die schon ganz schön voll ist. Und es ist wirklich beeindruckend. Alles ist voller Pferde, die Männer mit Cowboyhüten auf ihrem Rücken tragen. Und diese Männer schwingen Lassos. Wahnsinn. Ein Cowboy-Moderator erklärt in unverständlichem Englisch die Regeln.
Es beginnt mit Pferden, die ohne Sattel geritten werden müssen. Dann müssen Kälbchen mit dem Lasso gefangen und gefesselt werden, dann werden die Pferde mit Sattel geritten, dann reiten Frauen in einem Affentempo um Ölfässer herum. Danach machen das Jugendliche auch. Langsam wird es dunkel. Die Flutlichter gehen an, die Berge rundherum färben sich im Dämmerlicht. Die bunten Jahrmarktlichter leuchten herüber. Der Moderator sagt, wir sollen Pepsi trinken und einen Dodgetruck kaufen. Es ist der Hammer. Und zum Schluss reiten die Cowboys auf Bullen. Man glaubt es nicht. Es sieht wahnsinnig gefährlich aus.
Rodeo 2
Ich habe mir noch nie Gedanken gemacht, was die Pferde und Bullen eigentlich dazu bringt, so wild herum zu hüpfen. Die Gastgeberin erklärt es mir: “Die schnüren denen die Hoden ab.” Aua, aua, aua. Das lässt den Abend dann doch noch in einem anderen Licht erscheinen. Die Hoden. Ausgerechnet Cowboys. Hält man’s aus? Wir gehen nach dem Bull Riding, obwohl die Kinder protestieren. Sie sind ganz aus dem Häuschen, so toll finden sie das tierische Eiergequetsche.
Ein letzter Blick zurück. Dann Abfahrt.
Rodeo 3

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Dinge, die in den USA ganz anders sind, Teil 17: Klo

Die sanitären Anlagen. Vom ersten Tag an hat mich das beschäftigt. Ich wusste aber nicht so recht wie ich es angehen soll.
Die Klospülung der amerikanischen Klos hat etwas Brachiales. Die amerikanische Kloschüssel ist im Wesentlichen ein Keramiktrichter. In diesem Trichter steht verhältnismäßig tiefer, spiegelglatter  Sanitär-Wasser-See. Betätigt man die Spülung, so entsteht ein brausender Strudel, der alles mit sich in die Tiefe der Kanalisation reißt. Schließlich verschwindet er gurgelnd und rülpsend im Abflussrohr. Einige Augenblicke lang herrscht Trockenheit, dann fließt das Wasser still nach, bis der flache Tümpel wieder auf seinem Pegel ist. Keine Ahnung wie das geht. Aber es ist beeindruckend.
17 KloDie Wasserhähne. Nicht immer, aber sehr oft, dreht man nicht das Wasser auf, sondern man hat zwei Hebel. Einer heiß, einer kalt. Wie früher bei uns. Oder heute noch in Jugendherbergen. Nur eben mit Hebel. Und das ist schon seltsam. Ein Land, das die automatische Schusswaffe mit Laservisier dem traditionellen Colt vorzieht, ein Land, dessen stolze Söhne bereits auf dem Mond waren, ein Land das Unternehmen wie Microsoft, Amazon, Google und Facebook hervorgebracht hat, das Land, in dem das Internet erfunden wurde – in diesem Land ist der Mischbatterie-Wasserhahn nahezu unbekannt? Aber so ist es. Die USA, das Land der Gegensätze und der Vielfalt.

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Dinge, die in den USA ganz anders sind, Teil 16: Zeitung

Das ist der Missoulian. 1870 gegründet. Erscheint in einer Auflage von etwa 67000 Stück.
Dem aufmerksamen Betrachter fällt das seltsame Papierformat des Blättchens auf. Keine Deutsche Industrie-Norm. Kein Nordisches Format, wie die Süddeutsche, kein Rheinisches Format, wie die Stuttgarter Zeitung, kein Berliner Format wie der linke Liebling TAZ. Nix. Das schmerzt im deutschen Auge. Das amerikanische Format nennt sich Broadsheet und hat erheblich andere Abmessungen, die das Blättchen lang, aber schmal aussehen lassen. Wahrscheinlich passt es so genau zwischen den Kaffeethermobecher und die Cornflakesschüssel auf der Frühstückstheke.
Inhaltlich ist das Blättchen aber genauso aufgebaut, wie die Lokalzeitungen bei uns. Also Weltpolitik und Kleingärtner. Im Missoulian heißen die Zeitungsteile World, Nation, Montana, Sport.

Das ist der Monroe Monitor. Die Lokalzeitung des Washingtoner Countys Monroe. Dieses Blatt hat ein anderes beliebtes amerikanisches Zeitungsformat. Er ist fast quadratisch. Auch das ist praktischer, als unsere Riesenblättchen. Quadratisch, praktisch und, naja, vielleicht auch gut. World, Washington, Sport.

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Dinge, die in den USA ganz anders sind, Teil 15: Beim Bau

15 Beim BauWir Deutsche sind technokratische Stiesel. Denn wenn in Deutschland an einer Baustelle eine Straßenspur gesperrt werden muss, dann steht da eine Baustellenampel, mit so einem Kasten unten dran und mit Rädern. Und es dauert immer nervtötend ewig, bis sie wieder Grün anzeigt. Obwohl auf der anderen Seite der Baustelle weit und breit kein Auto steht. Aber man traut sich trotzdem nicht zu fahren, weil man ist deutsch und es ist rot. Also.
Nicht so in den USA. Hier hat die Sache mit den Baustellenampeln einen Human Touch. Genau genommen sind die Ampeln wirklich Humans. Denn in den USA stehen an beiden Enden der Baustelle jeweils zwei Menschen in Bauarbeiterklamotten, mit Helm und neongelbem Jäckchen. Die halten ein Schild in der Hand, das auf beiden Seiten beschriftet ist. Auf der einen Seite steht “Slow” auf der anderen “Stop”. Beide haben ein Funkgerät und sprechen sich miteinander ab und regeln so den Verkehr nach dem realen Bedarf. Ein interessanter und herausfordernder Job, oder nicht? Man übernimmt Verantwortung. Baustellenampeln sind, sagt der Gastgeber, in den USA völlig unbekannt. Hier menschelt es. Das ist stark. Wie so vieles hier.

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Dinge, die in den USA ganz anders sind, Teil 14: Ampel

Ich beschreibe jetzt mal was: Manchmal leuchtet es rot, manchmal kurz orange und manchmal grün. Was ist das? Richtig! Eine Ampel. Nächste Quizfrage, die aber nur von unter Dreijährigen beantwortet werden darf. Wann muss man stehen? Richtig! Bei Rot. Wann darf man gehen? Genau, bei Grün. Die Ampel ist eine ganz einfache und intellektuell anspruchslose Angelegenheit. Und sie funktioniert problemlos.
In den USA gilt das für Autoampeln auf jeden Fall auch. Aber bei den Fußgängerampeln wird es kompliziert.
14 AmpelWenn man nicht gehen darf, erscheint eine rote Hand. Manchmal mit dem Hinweis “Don’t walk”. Wenn man gehen darf erscheint ein gramgebeugter grüner Fußgänger. Dazu der Hinweis: Walk. So weit, so klar. Aber damit man sich keine Illusionen darüber macht, ob man es noch bequem über die Straße schafft, oder lieber doch schon stehen bleibt, macht die Ampel einen Countdown von Zwanzig auf Null. Bei Null schaltet sie wieder auf die rote Hand um. Manchmal ist es auch so, dass “Don’t Walk” erscheint und die grüne Hand blinkt. Dann dürfen die, die schon über die Straße gehen, weiter laufen. Ist man aber noch nicht auf der Straße, dann muss man stehen bleiben.
Hat mir vorher keiner erklärt. Darum war ich erst mal ziemlich verwirrt, was das alles soll. Aber dankenswerter Weise gibt es in Missoula/Montana dieses Hinweis-Kleberchen an jeder Ampel. Erstellt von der “Missoula Traffic Safety Task Force”. Starker Name. Starkes Anliegen.

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Dinge, die in den USA ganz anders sind, Teil 13: Staubsaugen

13 Sandmann

Sand-Hulk-Man

Die USA sind in der Lage, große Gegensätze in sich zu vereinigen. Das ist toll und ich bewundere das sehr an diesem Land. Sehr gut symbolisiert wird das von diesem wunderbaren Hulk-Sandmännchen aus der Spielzeugkiste des Gastgebersohnes. Brutale Superhelden-Kraft und erbarmungslose Niedlichkeit in einem.
Und so ist das auch bei dem hochmodernen Staubsauger, den die Gastgeber in ihrem Haus in Seattle verwenden.

13 Staubigsauger

Untertassensektion-Sauger

Sieht ein bisschen aus wie ein UFO, ist aber tatsächlich ein Staubsauger. Und zwar einer, der selbständig durch die Wohnung fährt und staubsaugt. Man stellt ihn an und dann zockelt er los. Er überwindet problemlos Hindernisse und biegt, wenn er gegen eine Wand knallt einfach ab. Und sauber ist es nachher auch. Und typisch amerikanisch. Denn hier sind die Gegensätze “ätzende Hausarbeit” und “wohltuende Faulheit” vereint. Hightech und Dreck-weg. Toll.

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Dinge, die in den USA ganz anders sind, Teil 12: Der Kühlschrank

Das ist ein Kühlschrank.
12 KühlschrankDer Kühlschrank ist wichtig. Darum ist er riesig. Es muss ja auch riesiges Zeug rein. Milch wird in den USA nicht im umweltfreundlichen Tetrapack verkauft, sondern in einem extrem umweltfeindlichen Plastik-Kanister, mit einem Fassungsvermögen von 3,78 Liter.
Außerdem braucht der Amerikaner immer gecrashtes Eis. Wegen der Drinks. Das kennt man ja aus den Fernsehserien. Darum ist die Eiscrashmaschine in die Frontseite des Kühlschranks eingebaut und direkt ans Tiefkühlfach angeschlossen. Das Tiefkühlfach ist übrigens auch ziemlich, ziemlich groß. Denn Tiefkühlkost wird hier groß geschrieben. Das ist eine amerikanische Küchentradition aus den Fünfziger Jahren. Da war der Kühlschrank neu und cremeweiß und alle haben sich auf ihren Drink mit gecrashtem Eis gefreut.
12 Kühlschrank b

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