Die Geschichte zum Lied: Ist alles still (2005)

In dem schönen Lied „In my Life“ spannt John Lennon ein Koordinatensystem für Erinnerungen auf: People, Things, Places, Moments.
Lennon singt: „All these Places have their moments / with people and things / that went before / Some are dead and some are living …“
Menschen sterben. Dann sind sie tot. Für immer. Das wissen wir. Es ist das Einzige, was wir mit absoluter Sicherheit über unser Leben sagen können. Es bleiben ein paar Fotos, jede Menge Krimskrams und das wars. Aber besser oder fassbarer wird es dadurch nicht. Man muss damit irgendwie umgehen. Poetischer als der Replikant Roy Batty in „Blade Runner“ kann man es nicht sagen: „All diese Momente werden verloren sein in der Zeit wie Tränen im Regen.“
Mit dem Tod verschwinden die Menschen. Tot sind sie dann, wenn sich keiner mehr an sie erinnern kann. Die Fotos sind noch da, aber wer sind die Leute darauf. Die Plätze sind auch noch da und auch die Dinge. Aber die Menschen nicht.
In „Cementary Gates“ beschreibt Morrissey seine Gefühle bei einem Friedhofsbesuch:
„So we go inside and we gravely read the stones
All those people all those lives
Where are they now?
With the loves and hates
And passions just like mine
They were born
And then they lived and then they died
Seems so unfair
And I want to cry“
Mit dem Tod eines Menschen ist seine Geschichte zu Ende. Es gibt keine Fortsetzung keinen zweiten Teil. Es bleiben nur noch die alten Geschichten. Und die haben kein Happy End. Und irgendwann werden die Geschichten vergessen und es ist, als hätte es den Menschen nie gegeben. People, Things, Places, Moments – alles weg.
Ich weiß nicht, ich kann damit nicht umgehen. Es ist furchtbar.
Ich mag Friedhöfe. Vor allem den in meiner Heimatstadt. Als Kind und Jugendlicher habe ich mir gerne die Grabsteine angeschaut. „All die Leben, all die Menschen“, habe ich damals gedacht und versucht mir vorzustellen, was hier an Momenten und Erinnerungen verschwunden ist. Unwiderbringlich.
1995 starb mein Freund Arkus. 1996 meine Mutter und 2005 mein Bruder. Im Sommer 2017 ist mein Vater gestorben. Es tut immer anders weh, aber es tut immer weh. Was bleibt, ist ein Name und ein Datum auf Grabstein. Alles, was mit dem Namen zu tun hat, steht im Imperfekt. Die Zukunft ist vorbei. Ich gehe immer noch gern auf den Friedhof. Ein wehmütiges „gern“. Aber inzwischen bewege ich dort in einem Netz aus Geschichten, die ich mir nicht mehr vorzustellen brauche. Fast die ganze Nachbarschaft meines Elternhauses, lokale Größen, Mitschüler. Das begegnet mir jetzt in den Namen auf den Grabsteinen. Ein Netz aus Momenten, Menschen, Orten und Plätzen. Und auch die werden vergehen und vergessen sein. Meine Familie ist aus meinem Heimatort verschwunden. Noch erinnern sich vielleicht ein paar Nachbarn. Aber auch das wird bald vorbei sein.
Als mein Bruder 2005 starb, da musste ich diesem überwältigenden Gefühl Ausdruck verleihen. Unzulänglich. Wie alles, was man gegen diese Tatsache unternehmen will. Aber ich musste etwas tun, gegen das Gefühl des kosmischen Vergessenwerdens und der Sinnlosigkeit. Heraus dabei kam das Lied „Ist alles still“.

Auf das „Das sind wir“ ist „Ist alles still“ das Winterlied.

 

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30 Jahre „Strangeways here we come“

„Nothings changed, I still love you, oh, I still love you,
only slightly, only slightly less, than I used to, my love.“

Da geht es um mich, dachte ich, als ich das zum ersten Mal hörte.
Es war ein Samstag Morgen. Wunderbares Oktoberwetter. Dunstig. Die Bauern verbrannten Kartoffelkraut. Die Sonne war schon winterschwach. Der Himmel gelb-orange.
Der Plattenladen hatte auf dem Marktplatz einen Stand aufgebaut. Es war Kirbemarkt.  Oktober 1987. Ich war Neuntklässler.
Ich blätterte die Platten durch. Housemartins wären geil, dachte ich. Oder was altes von The Cure. Und da stieß ich unerwartet auf die neue Smiths: „Strangeways here we come„. Ich hatte im Musikexpress darüber gelesen. Dort hatte gestanden, die Smiths orientierten sich an „Rubber Soul“ und „Let it bleed„. Das musste cool sein, dachte ich. Das war die „Let it be“ der Smiths. Sie hatten sich getrennt. Schon „The Queen is dead“ war cool gewesen. Ich schaute nach dem Preis. Der Hammer: Nur fünfzehn Mark!
„Warum ist die so billig?“, fragte ich misstrauisch. „Willst du mehr bezahlen, kein Problem“, fragte der Hippie hinter den Plattenkisten belustigt. Ich schüttelte den Kopf. „Nein“, antwortete ich schnell, „die nehm ich.“

Meine Smiths-Platte.

Eine stabile Papphülle. Die Schrift wie ein kleines Relief eingepresst. Eine richtig dicke, schwere Platte. Auch äußerlich kam mir die Sache sehr kostbar vor. Die Farbe des Covers wirkte wie in Kunst umgesetztes Herbstwetter. Das Straßenschild auf der Rückseite. Es war toll. Und der Name „Strangeways“ sprach mich ebenfalls an. „Seltsame Wege“. Im Musikexpress hatte ich gelesen, dass das ein Gefängnis sei. Aber „Seltsame Wege“ gefiel mir auch so. Im März war mein hebephrenes jugendliches Selbstbild von mir als selbstbewusstem unwiderstehlichem Punker, Rockstar und Künstler zerbröselt und verblasen worden. Zurück blieb ein profilneurotischer, melancholischer Wichtel, der auf den Atomkrieg wartete, damit all das sinnlose Leiden endlich ein Ende hätte. Die Smiths waren definitiv meine Band.
Abends, zuhause setzte ich mich vor den Plattenspieler. Palladium von Neckermann. Der herbstliche Abendnebel stieg auf. Zugvögel drängten sich auf der Stromleitung und die Straßenlaterne vor meinem Fenster ging viel zu früh an. Es roch nach nasser Erde und Heizöl.
Schon das erste Lied war der Hammer. „A Rush and a Push“. Keine Gitarren sondern Keyboard und Reagge oder was das war. „I started somethin I couldn’t finish“ erinnerte mich an meinen vorerst gescheiterten Moped-Führerschein. Der Höhepunkt war „The Death of a Disco Dancer“. Auch die Musik war kunstgewordenes Herbstwetter. Die Platte sprach zu mir und meinem Lebensgefühl, meiner Lebenssituation als wäre sie einzig für mich gemacht.
Ich war froh keine Housemartins gekauft zu haben. Deren Lieder hüpften sinnlos fröhlich vorbei. Das hier waren echte Wuchtbrummen. Beatles 1966. Großartig.
Mit diesen zynischen und melancholischen Liedern im Kopf ging ich zur Garagenparty meines Nachbarn und trank „Grüne Witwe“.  „Grüne Witwe“ ist, wie jeder weiß, Orangensaft mit Blue Curacao. Das trinke ich heute nicht mehr. Aber „Strangeways“ höre ich immer noch.
Es war dann ein bisschen viel Grüne Witwe. Aber auch da fand ich trost bei „Stop me if you think that you have heard this one before“:

„And so I drank one
It became four
And when I fell on the floor
I drank more“

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Mein Krankentagebuch

Montag: Schleppe mich zum Vertretungsplan. Aus dem Büro der Schulleiterin schnieft es. Sie sitzt mit einem dicken Schaal um den Hals am Computer, eine dampfende Teetasse neben sich.
Beim Vertretungsplan eine Kollegin getroffen. Der Plan ist bereits mehrfach überarbeitet. Die Lunge der Kollegin rasselt wie eine rostige Brunnenkette. „Du hörst dich auch nicht gut an“, krächze ich.
„Was sagst du?“, fragt sie ein bisschen zu laut, „weißt du, ich habe vom Husten so einen Druck auf den Ohren.“
Es ist leer im Lehrkräftezimmer. Lehrermangel und Grippewelle. Eine Schale mit angeschimmeltem Obst steht auf dem Tisch. Und ich spüre: Wenn ich jetzt nicht nach Hause gehe, dann falle für Monate aus.
Dienstag: Saß beim Arzt im Wartezimmer. Die Mutter eines Schülers kam vorbei. Wusste nicht, wie ich mich verhalten soll. Möglichst leiden? Dann hält sie mich für ein Weichei. Fröhlich grüßen? Dann denkt sie, ich mache blau. Habe ihr dann freundlich zugenickt und dabei die Nase hochgezogen.
Mittwoch: Mit schlechtem Gewissen aufgewacht. Die anderen arbeiten alle. Und ich bin im Bett. Zog mich automatisch an, packte die Schultasche und wollte los. Hatte aber an der Haustüre einen Schwächeanfall. Meine Frau hat mich ins Bett zurückgetragen. Später sagte sie, ich hätte dauernd gemurmelt: Lass mich gehen, sie brauchen mich, bitte, lass mich… Heimlich auf dem Handy Mails gecheckt. Tausend Katastrophen sind in der Schule passiert. Kollegin schreibt: „Hoffentlich bist du bald wieder gesund!“ Oh Gott!
Donnerstag, 2.58 Uhr: Mit schlechtem Gewissen aufgewacht. Ich glaube, es geht mir etwas besser. Sollte ich nicht doch arbeiten gehen? Meine Frau droht damit, mich ans Bett zu fesseln, wenn ich noch einmal die Arbeit erwähne. 4.37 Uhr: Habe meine Frau nochmal geweckt und ihr gesagt, dass ich arbeiten gehen muss. Habe ihr gestanden, dass ich auf dem Handy Mails gelesen habe. 9.38 Uhr: Kann mein Handy nicht finden. Dahinter steckt bestimmt meine Frau. Soll ich in der Schule anrufen und fragen, ob ich kommen soll? Kann das Telefon nicht finden. Hat die Frau es etwa auch versteckt?
Freitag: Kind zum Kindergartengebracht. Fühle mich gut! Hinter einer Hecke in Deckung gesprungen, weil ich dachte, dass Eltern meiner Schüler/innen dort laufen. Bin gestrauchelt und in den Rindenmulch gefallen. War total dreckig. Danach tatsächlich Eltern getroffen. Habe freundlich gegrüßt. Sie haben freundlich zurückgegrüßt. Aber irgendwie auch komisch geguckt. Ich weiß genau, was die jetzt denken. Zu Hause hab ich meiner Frau Vorwürfe gemacht, dass sie mich hat gehen lassen. Sie sagt: „Du bist selber erwachsen. Triff deine eigenen Entscheidungen.“
Samstag: Rückfall. Kann aber ruhig liegen bleiben und gesund werden. Es ist ja Wochenende. Ansonsten schleppe ich mich durch bis zu den nächsten Ferien. Dann werde ich halt da krank. Richtig krank. Das wird toll.

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Eierstock und Wassermann – Wie ich merkte, dass es vorbei war


Die seltsame synthetische Musik, die in der Disco lief, war scheiße. Ein durchgehender Bumm-bumm-Rhythmus. Die Basstrommel wummerte. Nicht die Snare, wie bei richtiger Musik. Ein kraftwerk-artiger Basslauf wiederholte sich endlos. Und eine Computerstimme sagte dazu „Dr Acid, Mr House“. Und so ging das immer weiter. Gummie-Musik, verfluchte ich den DJ in Gedanken. Aber die Tanzfläche wogte wie der Baggersee im Gewitter. Viele der Tänzer hatten sich Smileys auf die Hände oder Arme gemalt. Manche hatten T-Shirts mit Smileys an. Sie trugen runde Sonnenbrillen und Pseudohippieklamotten. Und sie tanzten auch so Stress-Yoga mäßig. Nich so wie ich: Zwei Schritte vor, zwei zurück, die linken Arm runter hängen, in der rechten Hand die Bierflasche. Auch kein Pogo. Sondern Stress-Yoga. Oder Fast-Forward-Eurythmie. Hähä, dachte ich, das muss ich demnächst mal anbringen. „Was soll der Scheiß“, schrie ich Arkus ins Ohr. „Das ist Acid“, schrie er zurück. Ich zog die Augenbrauen hoch. Was für eine Scheißmusik. „Acid“, dachte ich. Acid heißt Säure. Was soll das? Rätselhaft. Aber auch egal irgendwie.
Wir gingen raus auf den Parkplatz und zogen unsere Blue Bowls Flasche aus dem Busch, in dem wir sie versteckt hatten. Oder Curacao, wie die 18 jährige, überaus bewundernswerte Larissa das neulich angeekelt genannt hatte. Man hörte auch hier draußen noch das pulsierende Bummbummbumm. So laut, dass die Duftbäumchen vibrierten, die an den Rückspiegeln der geparkten Autos hingen. „So eine Scheißmusik“, sagte ich und setzte die Likörflasche an. „Das ist total in“, antwortete Arkus und zog mir die Flasche vom Mund. Als er getrunken hatte, erzählte er weiter: „Das sind so DJs, die machen diese Musik, nur so mit Schallplatten und Synthesizer.“ Ich nickte und machte ein geringschätziges Gesicht. DJs? Sowas wie Sven Väth. „Electrica Salsa“, sagte ich. „Baba ba bah“, antwortete Arkus automatisch, „schalt doch mal die Trompeten zu!“

Wir lachten ein bisschen. „Die machen so Parties und tanzen dann 24 Stunden am Stück, steht in der Bravo“, erzählte Arkus weiter. Die Musik müsse mir doch gefallen, sagte er, das sei doch wie Kraftwerk und Kraftwerk fände ich doch gut. „Quatsch“, sagte ich patzig, „das ist doch was ganz anderes, das ist doch scheiße!“ Das ist so Breakdance-Scheiß, dachte ich. Sagte es aber nicht. Arkus hatte das damals gut gefunden. Es war Dezember 1988. Wir waren fünfzehn Jahre alt und mit dem Discobus in unsere Stammdisco gefahren. Mehr als 15 Kilometer. Ich trug meine graue Anzugsjacke, die graue Bundfaltenhose, das grau karierte Hemd und die Tankwartschuhe meines Bruders. Meine Haare waren an der Seite kurz und oben lang. Seitenscheitel. Den Pony konnte ich mir mit einem Kopfrucken aus der Stirn werfen. Arkus hatte blonde Strähnchen und trug knall enge Stonewashed Jeans zu seiner hellgrauen Windjacke mit den vielen Reisverschlüssen. Blue Bowls machte einen auf angenehme Art beschickert. Ich hörte The Cure, die Smiths, Depeche Mode, die Housemartins, seit neuestem die Pixies … und so. Und natürlich die Ärzte, die Toten Hosen und die Goldenen Zitronen. Vor kurzem hatte ich mir „Nevermind the Bollocks“ gekauft. Philip Boa. Die Rolling Stones, die Beatles. Aber auch DAF, Trio, Fehlfarben. Frühe 80er. David Bowie, Soft Cell, Blondie. Und in unserer Disco spielte der DJ das auch immer eine halbe Stunde lang. Und dann tanzte ich. Aber heute war nur Scheißmusik gelaufen. Und anstatt unserer Runde, spielte der DJ diesen Acid-Scheiß.

Drinnen stand die Luft als wir zurück kamen. Mull of Kintyre, dachte ich, oh Mist rolling in from…“ Das Stroboskop durchzuckte den dichten Zigarettenqualm. Jetzt lief „Big fun“ von Inner City. Auch so ein BummBumm-Quatsch.
„Im M-Park spielen sie das auch“, schrie mir der Arkus ins Ohr, „da gibt’s so Typen, die schnallen sich Staubsauger auf den Rücken und die tanzen dann so.“
„Und was soll das?“, schrie ich lustlos zurück. Er zuckte mit den Schultern. „Alles voller Smileys“, schrie er, „dass gehört irgendwie dazu!“
Aber das musste man sich ja echt mal fragen, fand ich.
Soso, dachte ich, sososo. Der Blue Bowls verflüssigte meine Gedanken irgendwie. Aha.
In den Jahren 1984, 1985 und 1986 fragte ich micht oft, wie es sein kann, dass Menschen die aktuelle Chartsmusik nicht gut fanden. Ich beobachtete die blauen LP-Charts und die roten Single-Charts wie der Mäusebussard den Acker. Nichts entging mir.
Aber ab 1987 schlich sich da seltsame Musik ein. Und mein Musikgeschmack veränderte sich schleichend. Nachdem Falcos geniale 1988er Platte „Wiener Blut“ in den Charts verendet war wie ein angeschossenes Reh im Zauberwald oder wie die kleinen Küken in der Wüste bei dem Disney Film „Die Wüste lebt“, da hatte ich genug von den Charts.
Ich meine: Kylie Minogue, dachte ich. Oder BROS! Ich war einfach zu alt für diesen Scheiß. Und jetzt diese Acid-Kacke. S’Express. Puuhhh. Ofra Haza. Meine Güte.

„Eierstock und Wassermann“, schrie ich Arkus ins Ohr. Das war unsere Verballhornung des Produzententeams Stock, Aitken, Waterman, die sich den Kylie-Minogue-Quatsch am Fließband ausdachten. Uncool synthetisch, fand ich. Wenn auch interessant moduliert, schwammen meine Gedanken auf Blue Bowls ziellos durch mein Gehirn.
Zurück auf dem Parkplatz beamten wir noch ein bisschen Blue Bowls durch unsere Kehlen. Das war wunderbar. Alles wurde irgendwie blauer. Und Blau ist ja bekanntlich eine beruhigende Farbe.

Arkus sang bei dem Lied mit, das jetzt lief. Aber er hatte einen anderen Text irgendwie. „Baby, don’t forget my Number, ‚cause I have the Tripper…“ Dann lachte er gackernd. Ich dachte an das Bealtes-Lied „Day Tripper“. Das war noch Musik gewesen, dachte ich willenlos.
„Weißt du“, sagte ich zu Arkus, „die Charts und ich…“
„B-B-Baby“, gröhlte Arkus.
„Die Charts und ich…“, begann ich nochmal. Dann hatte ich den Faden verloren. Was meinte er damit? ‚Cause I have the Tripper?
„Scheiße“, sagte Arkus und schwankte wie die Eiche im Herbstwind beim Versuch seine Digitaluhr zu fixieren, „wir haben den Discobus verpasst.“
Der Blue Bowls war fast leer.
„Scheißegal“, sang es aus mir heraus, „scheißegal und noch-a-mal …“
„Scheißegal!“, fiel Arkus mit ein und schmetterte die leere Bowls-Flasche auf den Boden, dass die Scherben stoben wie die Splitter im blauen Palast der Eiskönigin.
Ein alter Dieselmercedes fuhr ganz langsam an uns vorbei. Arkus winkte ihm zu und machte den Tramperdaumen. Die Karre stoppte tatsächlich und machte dieses typische Dieselnagel-Geräusch. Und auch den typischen Heizölgestank. Der Fahrer kurbelte die Scheibe runter. Ein dürrer Typ mit Zigarette im Mund. Er hatte kurze, bunte Haare.
„Wo müsst ihr hin?“, fragte er. Wir sagten es ihm.
„Liegt auf meinem Weg“, meinte er und zog die Beifahrertüre auf.
Eben, dachte ich, alles kein Problem. Irgendwie geht’s immer weiter. Hollari und hollaro, dachte ich zur Melodie von „Horch was kommt von draußen rein“.
Arkus rappte auf dem Rücksitz noch ein bisschen „Baby, don’t forget my Number“, während ich erhebliche Schwierigkeiten mit dem Gurt hatte. Das war doch sonst nicht so kompliziert?
Jetzt erst merkte ich, dass der Fahrer eine Ratte auf der Schulter sitzen hatte.
„Huch“, sagte ich, „Ratte!“
„Das ist Bini“, meinte der Typ toternst. Und dann erfuhren Arkus und ich eine ganze Menge über Ratten an sich und ihre Haltung im Besonderen.
Weil mir etwas schwindelig war, wurde ich zunehmend wortkarg und irgendwie hatte ich den Verdacht, dass das Geräusch, das Arkus auf dem Rücksitz machte, ein Schnarchen war.
Weil keiner mehr etwas sagte, drückte der Typ eine Cassette ins Autoradio.
„Dr Acid, Mr House“, schepperte es aus den Boxen.
„Och nööö“, nöhlte ich durch den blauen Bowls-Dunst, „mach den Scheiß aus.“
„Alter“, sagte der Typ, „das ist Acid House, das ist der heißeste Scheiß am Platz.“
„Genau, Scheiß“, sagte ich schlecht gelaunt.
„Ohne Witz“, die machen da so Parties, da fressen die haufenweise Pillen und tanzen dann 24 Stunden durch…“
„Komm, he, das ist doch voll …“ versuchte ich ihn zu unterbrechen, aber er hörte nicht zu.
„… und danach wälzen sie sich am Boden und ficken in ihrer eigenen Scheiße.“
„Quatsch“, sagte ich irritiert über seinen Begriff für Geschlechtsverkehr. Und was meinte er mit Pillen? Kopfweh und so?
„Das ist doch voll die Stock, Aitken, Waterman Kacke“, sagte ich trotzig.
Er schaute mich irritiert an.
„Bini“, sagte er zu seiner Ratte, „das Arschloch hat keine Ahnung.“
Dann drehte er sich zu  mir: „Wer Kevin Saunderson und Stock, Aitkin, Waterman in einen Topf wirft, der kann bei uns nicht mitfahren.“
„Eierstock und Wasserman“, sagte ich.
„Baby“, schrie der soeben aufgewachte Arkus von hinten, „I have the Tripper!“
Der Typ fuhr rechts ran, beugte sich an mir vorbei zum Türgriff und öffnete.
„Raus“, sagte er giftig.
Dann standen Arkus und ich am Straßenrand. Es waren noch zehn Kilometer bis nach Hause. Es regnete und ich war in eine Pfütze getreten. Meine Füße waren nass. Es war stockdunkel.
„Arschloch“, schrie der Arkus den in der düsteren Nacht verschwindenden Rücklichtern des Mercedes hinterher, „don’t forget my Number!“
„‚Cause I have the Tripper“, sagte ich.
„Scheiß Acid“, grinste der Arkus.
„Stimmt“, grinste ich zurück, „lieber laufen, als diese Scheißmusik anhören.“
„Ich find das gar nicht so schlecht“, meinte er, „ist aber Arschlochmusik.“
Wir gingen die zehn Kilometer zu Fuß.
Und da war mir klar: Es war vorbei. Chartmusik und ich. Es war vorbei. Einfach vorbei.
„Die Chartmusik und ich gehen ab jetzt getrennte Wege“, sagte ich zu Arkus.
„Scheißegal“, sagte er, „don’t forget my Number!“
Ja, wir werden trotzdem ein Good Life und Big fun haben. Wahrscheinlich.

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Schrödern und Mayervorfeldern

„Manchmal“, sagt ein älterer Kollege, „stelle ich mir das Büro von Frau Eisenmann vor.“ Bestimmt, meint er, habe sie ein gerahmtes Foto von Gerhard Schröder an der Wand hängen. Und unter dem grinsenden Ex-Kanzler, stelle er sich vor, stehe ein berühmtes Zitat von Schröder: „Ihr wisst doch ganz genau, was das für faule Säcke sind.“ Das hatte der SPD-Kanzler mal über Lehrer gesagt.
„Und das findet Susanne Eisenmann anscheinend auch“, lacht er. Denn Lehrer mit Teilzeitlehraufträgen müssten sich ja jetzt auf eine „härtere Ansprache“ einstellen. Es werde „zum Teil unangenehme Gespräche“ geben. Das hatte sie einer großen Tageszeitung gesagt. Und die armen Lehrer, die als Fremdevaluatoren gearbeitet haben, will sie auch wieder in den Schuldienst schicken.
„Wahrscheinlich“, sagt der Kollege, „bekommen die Schulleitungen jetzt Fortbildungen mit dem Titel „Das perfekte unangenehme Kollegen-Gespräch“, oder so!“ Genau, denke ich. Als ich noch Fachberater war, da wurden uns immer Reisen in die Schweiz angeboten. Dort sollten wir bei Andreas Müller am Institut Beatenberg lernen wie man so richtig toll differenziert. „Best Practice“ hieß das. Oder in DDR-Sprech: Vom Institut Beatenberg lernen, heißt siegen lernen.
„Da kriegen die Schulleiter eine „Best Practice“-Reise nach Guantanamo.“ Wir lachen. „Und dann üben sie das im Rollenspiel mit Mitarbeitern vom BND“, lacht er, „Lampe ins Gesicht und unterschwellig drohende Fragen stellen.“
Das alles erinnere ihn ein bisschen an die Zeit, als Gerhard Mayer-Vorfelder noch Kultusminister gewesen sei, meint der Kollege. „Das war keine einfache Zeit, das kann ich dir sagen“, sagt er Kopf schüttelnd. Der habe die Lehrer als seine „Lieblingsfeinde“ bezeichnet. „Auch schön“, freue ich mich. Und zu einem Lehrer, der ihm in löchrigen Jeans und in Turnschuhen die Probleme der Landespolitik erklärt habe, habe er gesagt: „Das einzige Problem der Landespolitik ist, dass wir Leute wie sie auf der Lohnliste haben!“ Da muss ich lachen. „Ein hervorragendes Beispiel für „harte Ansprache“ und „unangenehmes Gespräch“, lachte ich, „den kann sich Frau Eisenmann gleich neben den Schröder hängen.“
Ich erzähle, dass ich mal zu Besuch im Kultusministerium war. Da habe ich gesehen, dass dort in der Touretstraße fast ein halbes Stockwerk nur mit Büros der Fremdevaluation besetzt war. Die andere Hälfte des Stockwerks war mit dem Profil AC besetzt.
„Das steht jetzt alles leer, wenn die wieder unterrichten müssen“, sagt der Kollege. Ich habe eine Idee. „Dort könnte die Abteilung für „harte Ansprache“ einziehen.“ Diese hätte dann zwei Aufgaben, überlege ich. „Die Abteilung „Schrödern“ wäre für Lehrerbashing zuständig“, erkläre ich, „da würde den Schulleitern vermittelt werden, ihre Kollegen als faule Säcke zu sehen.“ Teilzeitlehrauftrage? Faulheit! Lehrkraftzersetzung! In der anderen Abteilung würde dann „Gemayervorfeldert“. „Das sind rhetorische Strategien, die man als Schulleiter/in bei der „harten Ansprache“ in „unangenehmen Gesprächen“ anwenden kann“, erkläre ich.
Dann Schweigen wir und trinken ein bisschen Kaffee. Muss ja auch.
„Ja, aber wie rechtfertigt man das alles?“, will der Kollege wissen. Wir trinken Kaffee. Und schweigen. Muss ja auch mal sein.
„Wer ist eigentlich schuld am Lehrermangel“, frage ich den Kollegen. Der zuckt die Schultern. „Die Lehrer natürlich, die arbeiten einfach nicht genug“, antwortet der. „Jetzt hast du mich ganz schön gemayervorfeldert“, lache ich.

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Lehrer_Innen-Hass


Ich wurde „Arschloch“ genannt. Auf Twitter. Weil ich behauptet habe, es gäbe in der Fernsehserie „Fringe“ keine direkten Anspielungen auf die Verfilmung von Michael Endes „Momo“. Da denkt man sich erst mal: Wegen was? Typisch soziale Medien! Da beschimpfen sich zwei anonym im Netz rumposaunende Typen in enthemmter Anonymität. Wegen Nullinger. Aber so war es gar nicht. Es war wesentlich vielschichtiger. Ich hatte folgendes geschrieben: „Habe gerade nachgelesen. Ganz schon komplex! Aber kein direkter intertextueller Verweis auf Momo.“ Das Wort intertextuell war mir wichtig. Ich wollte ein bisschen mit meiner Belesenheit angeben. Und dann mischte sich ein weiterer Twitterer in das Gespräch ein. Und zwar einer, der einen hochintellektuellen Podcast betreibt. Mit Literaturangaben und klugen Wörtern noch und nöcher. Ein interessanter Typ. Und der trug jetzt also das Folgende zu unserem Gespräch bei: „Der Lehrer hat gesprochen.“ Er meinte mich. Und dann: „Heb Dir die Einteilung in richtig und falsch für die Schule auf Du Arschloch.“ Welche Einteilung von richtig und falsch, fragte ich mich? Darum hakte ich bei dem zornigen Twitterer nach. Wie es sich für einen Intellektuellen gehört, antwortete er auch prompt: „Implizit, indem Du unterstellt hast, es handele sich nicht um einen intertextuellen Verweis auf Momo. Diese Aussage ist nicht logisch, wenn sich die Frage, ob es einen intertextuellen Verweis auf Momo gibt oder nicht, nicht ohne Festlegung beantworten lässt. Diese Festlegung ist eine Setzung die richtig von falsch unterscheidbar macht.Weniger enerviert wäre ich von der Formulierung gewesen, dass aus Deiner Sichtweise kein intertextueller Verweis auf Momo vorliegt.“ Eine Stilfrage, dachte ich. Irgendwie fand ich es gut, dass sich jemand so stark für einen sauberen Diskussionsstil einsetzt. Auch wenn er sich dabei, sagen wir, im Ton vergreift. Ein anderer Twitterer sprang mir bei. Er verlangte von dem zornigen Intellektuellen eine Entschuldigung. Man sollte die sozialen Medien da nicht unterschätzen, dachte ich. Und prompt kam eine Entschuldigung: „Dennoch möchte ich mich entschuldigen.“ Aber je länger ich darüber nachdachte, desto unangemesser kam mir die Art der Zurechtweisung vor. Bei einer angenehm trivial dahin plätschernden nichtig-popkulturellen Diskussion über „Momo“ und eine amerikanische Fernsehserie (!) wird einer ohne Vorwarnung ausfällig. Die Ursache schob er der Twitterer schließlich noch nach: „So verhalte ich mich ausschließlich Lehrer_Innen gegenüber.“ Einer der auf Twitter gendert (Lehrer_Innen) und semantische Satz-Analysen vornimmt, gesteht, dass er gegenüber Lehrer_Innen immer ausfällig wird. Geschlechtergerechtigkeit ja, Lehrergerechtigkeit nein? Das fand ich schockierend. Ich war Opfer einer Form von gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit geworden. Es ging nicht um mich. Es ging um ein Vorurteil. Ich wurde nicht als Ens Oeser gesehen, der gern den billigst-naheliegenden Witz macht und am liebsten über popkulturelle Nichtigkeiten schwadroniert. Sondern als Lehrer im Allgemeinen. So wie man über DIE Flüchtlinge, DIE Frauen oder DIE Politiker spricht. Der zorinige Intellektuelle unterstelle mir lehrerhafte Rechthaberei. Er drückte mir so eine Art geistigen Rotstift in die Hand. Meine Güte, dachte ich, das ist krass. Lehrerhass und Lehrerspott sind allgemein anerkannt. Damit bin ich  oft konfrontiert. Lehrer sind faul, Lehrer haben dauernd Ferien und der ganze Blabla-Quatsch. Es ist ein Stereotyp, gegen den nichts auszurichten ist. Auf Jetzt.de ist ein kluger Artikel zu diesem Thema erschienen. Die Autorin Nadja Schlüter führt darin 5 Gründe für den Lehrerhass auf:

  1. Jeder kennt Lehrer und glaubt deshalb über sie Bescheid zu wissen. An was erinnert man sich aus der eigenen Schulzeit? Natürlich an die schlimmen Lehrer.
  2. Die Erwartungen an die Lehrer sind zu groß. Das kenne ich auch von Adorno. Das Kind setzt so große Erwartungen in die Allwissenheit und Allmacht des Lehrers, dass es nur enttäuscht werden kann. Ein pädaogogischer Ödipus-Komplex?
  3. Lehrer sind tatsächlich überfordert. Nicht mit zu viel Arbeit, sondern mit „Beziehungsproblemen“ bei aufmüpfigen Klassen, schwierigen Schülern, schwierigen Eltern und anstrengenden Kollegen.
  4. Das Beamtentum ansich hat einen schlechten Ruf.
  5. Und: Keiner weiß, was Lehrer tatsächlich machen. Manchmal, direkt nach einer Klassenarbeit fragen Schüler: „Und wie ist die Arbeit ausgefallen?“ Und wenn ich dann sage: „Bevor ich darauf antworte, sollte ich sie erst korrigieren“ gucken mich die Kinder irritiert an.

Gefoppt worden wegen meines Berufes bin ich schon oft. Das ist aber auch immer ein bisschen liebevoll-nachsichtig. Aber ernst gemeint auf einen miesen Lehrerwitz reduziert zu werden, das ist mir noch selten passiert. „Lehrer kriegen von vielen Seiten Prügel„, hat ja erst jüngst der Ex-Lehrer Winfried Kretschmann geäußert.
Auch der selige Intellektuellen-Säulenheilige Adorno hat sich klug und ausführlich über Lehrer ausgelassen. Der Lehrerberuf werde von der Gesellschaft nicht ernst genommen, fand er. Seltsamerweise gäbe es sogar bei Lehramt-Studenten einen unerklärlichen Widerwillen gegen den eigenen künftigen Beruf. Diese Verachtung, glaubte Adorno, habe ihre Wurzeln noch in der feudalen Gesellschaft. Sie entspringe dem Ressentiment des Kriegers gegenüber dem Hauslehrer. Der Lehrer galt als besserer Diener. Der Bourgeois aber bevorzugte Juristen und Ärzte, weil sie nicht der sorglos versorgten Beamtenhierarchie angehörten. Wie echte Männer setzen sie sich dem freien Konkurrenzmechanismus des Marktes aus.
Lehrern wird gerne manische Besserwisserei unterstellt. Der Lehrer ist einer, der einen ständig belehrt. Und es scheint für viele Menschen ein Zeichen des Erwachsenwerdens zu sein, sich von der angeblichen Besserwisserei der Lehrer zu emanzipieren. Der, der früher alles besser wusste, wird jetzt klein gemacht und bezwungen. Ist das so eine Art pädagogischer Ödipuskomplex (polýplokes ekpaideftikés Oidípous)?
Eventuell hat der Hass auch damit zu tun, dass angenommen wird, wir lebten in einer Wissensgesellschaft. Und die hat das Konzept „Autorität“ insgesamt ins Wanken gebracht. Der Soziologe Armin Nassehi sieht das so: „Autorität ist allgemein in einer Krise – und manche Respektlosigkeiten von Schülern werden an den Elternsprechtagen  verständlicher, weil dann die Vorbilder der lieben Kleinen kommen. Es gibt dafür viele Gründe – einer unter vielen anderen ist, dass Autorität durchaus ein kritikwürdiges Konzept geworden ist. Im Klartext: Wer als Lehrer womöglich beigebracht bekommt, dass kommunikative Verflüssigung, Überzeugung und Innenleitung besser ist als eine bestimmte Form von Autorität, wird diese kaum einsetzen können, wenn es drauf ankommt. Das ist kein Plädoyer für einen autoritären Stil – im Gegenteil. Es ist ein Plädoyer dafür, dass man Lehrerinnen und Lehrer mit der Autorität des Entscheidens, der Durchsetzung von Standards, auch des produktiven Einsatzes von Asymmetrie ausstattet. Dazu bedarf es aber politischer, pädagogischer und organisatorischer Rückendeckung.“
In der bitteren Komödie „Frau Müller muss weg“ wird noch ein weiterer Grund für Lehrerhass angedeutet. Für manche Eltern sind Kinder vor allem ein prestige-trächtiges Projekt. Und kein Lehrer sollte es wagen, sich bei diesem Projekt quer zu stellen.
Tja und zu guter Letzt. Eventuell wäre es tatsächlich möglich, dass manche Lehrer_Innen Arschlöcher sind. Aber , wer weiß das schon von sich selber? Und wer glaubt es, wenn es einem gesagt wird? Außer vielleicht Christian der Nominator. Aber den kennt doch kein Mensch mehr.

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11 Fragen an den Musikjournalismus

Die Musikpresse kommt mir manchmal vor wie GALA oder BUNTE mit Musikschwerpunkt. Und weil ich keine Lust mehr habe, mich selber zu fragen, woran das liegt, frage ich jetzt einfach die Musikpresse selber.

  1. Ist mystifizierende Heldenverehrung nötig? #Geniekult
  2. Warum müssen Anti-Helden so schlimm geprügelt werden? (z.B. Modern Talking…)
  3. Sind typische musikjournalistische Stil-Schrullen zwingend? („Die Herren Gallagher…“)
  4. Gehört die mystifizierend-bewundernde Verharmlosung von Drogenkonsum bei der Musikproduktion zwingend dazu?
  5. Ist das Ausschlachten trauriger und normaler Todesfälle wirklich nötig? (Chris Cornell kenne ich erst seit seinem traurigen Tod)
  6. Ist Ehegatten-Bashing überhaupt noch Musikjournalismus (Yoko Ono, Courtney Love, Linda McCartney…)
  7. Wozu brauche ich die 10 besten Songs von Prince und die 1000 besten David Bowie Videos?
  8. Kann man Musikkritik an Maßstäben ausrichten, die nicht subjektiv bewerten, sondern intersubjektiv beschreiben? Meinung ja. Verriss nein.
  9. Wie soll man mit den Meinungen von Musikern umgehen? (Xavier Naidoo…)
  10. Ist Musikpresse soetwas wie der Kicker für Musikfans? Also für Fans?
  11. Wenn Musikerinnen sich ausziehen, muss ich dann in der Musikpresse darüber informiert werden?

Welchen Anspruch hat der Musikjournalismus? Dass man als Musikjournalist eine Meinung hat ist klar. Aber mit welchem journalistischen Ethos mache ich mich an meine Texte?

Vor über einem Jahr wurde von Zündfunk ein Artikel mit dem Titel Musikjournalismus 2016 veröffentlich. Er enthalt 13 Fragen an den Musikjournalismus. Diese waren Auslöser dieses Textes.

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