Dinge, die in den USA ganz anders sind, Teil 16: Zeitung

Das ist der Missoulian. 1870 gegründet. Erscheint in einer Auflage von etwa 67000 Stück.
Dem aufmerksamen Betrachter fällt das seltsame Papierformat des Blättchens auf. Keine Deutsche Industrie-Norm. Kein Nordisches Format, wie die Süddeutsche, kein Rheinisches Format, wie die Stuttgarter Zeitung, kein Berliner Format wie der linke Liebling TAZ. Nix. Das schmerzt im deutschen Auge. Das amerikanische Format nennt sich Broadsheet und hat erheblich andere Abmessungen, die das Blättchen lang, aber schmal aussehen lassen. Wahrscheinlich passt es so genau zwischen den Kaffeethermobecher und die Cornflakesschüssel auf der Frühstückstheke.
Inhaltlich ist das Blättchen aber genauso aufgebaut, wie die Lokalzeitungen bei uns. Also Weltpolitik und Kleingärtner. Im Missoulian heißen die Zeitungsteile World, Nation, Montana, Sport.

Das ist der Monroe Monitor. Die Lokalzeitung des Washingtoner Countys Monroe. Dieses Blatt hat ein anderes beliebtes amerikanisches Zeitungsformat. Er ist fast quadratisch. Auch das ist praktischer, als unsere Riesenblättchen. Quadratisch, praktisch und, naja, vielleicht auch gut. World, Washington, Sport.

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Dinge, die in den USA ganz anders sind, Teil 15: Beim Bau

15 Beim BauWir Deutsche sind technokratische Stiesel. Denn wenn in Deutschland an einer Baustelle eine Straßenspur gesperrt werden muss, dann steht da eine Baustellenampel, mit so einem Kasten unten dran und mit Rädern. Und es dauert immer nervtötend ewig, bis sie wieder Grün anzeigt. Obwohl auf der anderen Seite der Baustelle weit und breit kein Auto steht. Aber man traut sich trotzdem nicht zu fahren, weil man ist deutsch und es ist rot. Also.
Nicht so in den USA. Hier hat die Sache mit den Baustellenampeln einen Human Touch. Genau genommen sind die Ampeln wirklich Humans. Denn in den USA stehen an beiden Enden der Baustelle jeweils zwei Menschen in Bauarbeiterklamotten, mit Helm und neongelbem Jäckchen. Die halten ein Schild in der Hand, das auf beiden Seiten beschriftet ist. Auf der einen Seite steht “Slow” auf der anderen “Stop”. Beide haben ein Funkgerät und sprechen sich miteinander ab und regeln so den Verkehr nach dem realen Bedarf. Ein interessanter und herausfordernder Job, oder nicht? Man übernimmt Verantwortung. Baustellenampeln sind, sagt der Gastgeber, in den USA völlig unbekannt. Hier menschelt es. Das ist stark. Wie so vieles hier.

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Dinge, die in den USA ganz anders sind, Teil 14: Ampel

Ich beschreibe jetzt mal was: Manchmal leuchtet es rot, manchmal kurz orange und manchmal grün. Was ist das? Richtig! Eine Ampel. Nächste Quizfrage, die aber nur von unter Dreijährigen beantwortet werden darf. Wann muss man stehen? Richtig! Bei Rot. Wann darf man gehen? Genau, bei Grün. Die Ampel ist eine ganz einfache und intellektuell anspruchslose Angelegenheit. Und sie funktioniert problemlos.
In den USA gilt das für Autoampeln auf jeden Fall auch. Aber bei den Fußgängerampeln wird es kompliziert.
14 AmpelWenn man nicht gehen darf, erscheint eine rote Hand. Manchmal mit dem Hinweis “Don’t walk”. Wenn man gehen darf erscheint ein gramgebeugter grüner Fußgänger. Dazu der Hinweis: Walk. So weit, so klar. Aber damit man sich keine Illusionen darüber macht, ob man es noch bequem über die Straße schafft, oder lieber doch schon stehen bleibt, macht die Ampel einen Countdown von Zwanzig auf Null. Bei Null schaltet sie wieder auf die rote Hand um. Manchmal ist es auch so, dass “Don’t Walk” erscheint und die grüne Hand blinkt. Dann dürfen die, die schon über die Straße gehen, weiter laufen. Ist man aber noch nicht auf der Straße, dann muss man stehen bleiben.
Hat mir vorher keiner erklärt. Darum war ich erst mal ziemlich verwirrt, was das alles soll. Aber dankenswerter Weise gibt es in Missoula/Montana dieses Hinweis-Kleberchen an jeder Ampel. Erstellt von der “Missoula Traffic Safety Task Force”. Starker Name. Starkes Anliegen.

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Dinge, die in den USA ganz anders sind, Teil 13: Staubsaugen

13 Sandmann

Sand-Hulk-Man

Die USA sind in der Lage, große Gegensätze in sich zu vereinigen. Das ist toll und ich bewundere das sehr an diesem Land. Sehr gut symbolisiert wird das von diesem wunderbaren Hulk-Sandmännchen aus der Spielzeugkiste des Gastgebersohnes. Brutale Superhelden-Kraft und erbarmungslose Niedlichkeit in einem.
Und so ist das auch bei dem hochmodernen Staubsauger, den die Gastgeber in ihrem Haus in Seattle verwenden.

13 Staubigsauger

Untertassensektion-Sauger

Sieht ein bisschen aus wie ein UFO, ist aber tatsächlich ein Staubsauger. Und zwar einer, der selbständig durch die Wohnung fährt und staubsaugt. Man stellt ihn an und dann zockelt er los. Er überwindet problemlos Hindernisse und biegt, wenn er gegen eine Wand knallt einfach ab. Und sauber ist es nachher auch. Und typisch amerikanisch. Denn hier sind die Gegensätze “ätzende Hausarbeit” und “wohltuende Faulheit” vereint. Hightech und Dreck-weg. Toll.

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Dinge, die in den USA ganz anders sind, Teil 12: Der Kühlschrank

Das ist ein Kühlschrank.
12 KühlschrankDer Kühlschrank ist wichtig. Darum ist er riesig. Es muss ja auch riesiges Zeug rein. Milch wird in den USA nicht im umweltfreundlichen Tetrapack verkauft, sondern in einem extrem umweltfeindlichen Plastik-Kanister, mit einem Fassungsvermögen von 3,78 Liter.
Außerdem braucht der Amerikaner immer gecrashtes Eis. Wegen der Drinks. Das kennt man ja aus den Fernsehserien. Darum ist die Eiscrashmaschine in die Frontseite des Kühlschranks eingebaut und direkt ans Tiefkühlfach angeschlossen. Das Tiefkühlfach ist übrigens auch ziemlich, ziemlich groß. Denn Tiefkühlkost wird hier groß geschrieben. Das ist eine amerikanische Küchentradition aus den Fünfziger Jahren. Da war der Kühlschrank neu und cremeweiß und alle haben sich auf ihren Drink mit gecrashtem Eis gefreut.
12 Kühlschrank b

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Dinge, die in den USA ganz anders sind, Teil 11: Rein-Sicker-Häcksler

Das ist nicht der Abfluss. Das ist der “Food Waste Disposer”. Der “Essensreste-Verwerter”. Er befindet sich im Spülbecken jeder amerikanschen Küche. Gut ist der Hinweis, dass es sich dabei um einen “In-Sink-Erator” handelt. Um einen “Rein-Sicker-Häcksler”.
Die deutsche Hausfrau ist oft verzweifelt, weil die vielen Essenreste, die sie unvernünftiger Weise in den Ausguss geschüttet hat alles verstopfen. Nicht so die Amerikanische. Sie drückt auf einen Knopf und der ganze Scheiß wird kleingehäckselt und weggespült. Da sind die Amerikaner vorn dabei. Cool.

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Dinge, die in den USA ganz anders sind, Teil 10: Aufkleber

Seit Donald Trump in den USA regiert ist Antiamerikanismus wieder richtig in. Als Obama regiert war er 8 Jahre lang nahezu out. Jetzt erlebt er ein fulminantes Comeback.
Es kann natürlich sein, dass das schon angefangen hat. 1968: „US USA SA SS“ und Nixon? Oder als die Amerikaner 1979 mit großer Mehrheit den drittklassigen Westerndarsteller Ronald Reagan zum Präsidenten gewählt haben? Später dann den inkompetenten und ein wenig verlogenen Bush Junior? Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass die US-Armee während der Amtszeiten dieser Präsidenten frei und munter in jegwelches Land einmarschiert ist und mit Hightech-Präzision alles kurz und klein gebrezelt hat? Wer weiß?
Andere denken beim Stichwort USA an adipöse Dumpfdödel, die sich bei McDonalds 5 Big Macs reinpressen, ehe sie nach Hause gehen, ihre halbautomatische Knarre aus dem Schrank holen und irgendwo ein Massaker anrichten.
Und dann wären da noch die Sklaverei, die Rassentrennung, die Ausrottung der Indianer und die Atombombe. Schlimm.
Aber die USA, das sollte man nicht vergessen, sind seit 1776 eine echte Demokratie. Demokratie heißt nicht „fehlerfreies Paradies“. „Demokratie ist nicht die Herrschaft der Mehrheit, sondern ein komplizierter Mechanismus, der es ermöglicht, in Alternativen zu denken“, schreibt der Soziologe Armin Nassehi im Spiegel. Ob dieser Mechanismus funktioniert, erklärt Nassehi, bemisst sich daran, was in der demokratischen Öffentlichkeit sagbar ist.
Nur kurz zum Vergleich: Frankreich mit Unterbrechungen seit 1789. Deutschland mit sechzehn Jahren Unterbrechung seit 1918. Und so richtig eigentlich erst seit 1949. Die Amerikaner haben für ihre Demokratie gekämpft. Deutschland musste dazu gezwungen werden. Von den Amerikanern.
In der Öffentlichkeit der USA ist fast alles sagbar. Alles was wir in Deutschland sagen können und noch viel, viel mehr. Die USA sind Schwule Subkultur und christliche Eiferer. Sado Maso und „Wahre Liebe wartet“. Der plumpe Antiamerikanismus tut den Amerikanern unrecht. Das ist jetzt vielleicht plumper Proamerikanismus. Aber bitte. Gucken wir mal dieses Auto an.
Aufkleberauto Roslyn.jpg
Das Auto eines Veganers, der sich mit der konservativen Seite der USA kritisch auseinandersetzt.
„Wir sind alle hier“, steht auf einem Aufkleber rechts auf der Scheibe, „weil wir nicht dort sind.“ Ein anti-religiöser Aufkleber.
Unter „Yaris“ ist ein Darwinfisch. Ein Anti-Kreationisten-Zeichen.
Daneben ist ein ovaler, weißer Kleber mit „WWSCD„. Das ist eine Abkürung für „What would Steven Colbert do“. Steven Colbert ist ein bei liberalen Amerikanern sehr populärer Moderator, der in seiner Show sehr überzeugend einen konservativen, aber leicht debilen Politiker verkörpert hat. Der Kleber ist eine Verballhornung des konservativen Klebers WWJCD: What would Jesus Christ do.
Rechts unten auf der Stoßstange steht: „Nerv einen Republikaner, denk selber!“ Darüber ist ein Antiabtreibungsgegner-Aufkleber: „Wenn der Fötus, den ihr retten wollt schwul wäre, würdet ihr immer noch für seine Rechte kämpfen.“ Denn der konservative Amerikaner ist auf jeden Fall homophob.
Schön ist auch der Anti-Waffenlobby-Kleber links auf der Stoßstange: „Wenn du nochmal sagst, dass Waffen Menschen töten, dann erschieße ich dich und du wirst konsequenter Weise tot sein.“ Das ist eine dirkete Antwort auf den NRA-Sticker: „Nicht Waffen töten Menschen, sondern Menschen töten Menschen.“
Unter dem Obama-Wahl-Kleber steht: „Echte Männer essen keine Tiere.“ Der Amerikaner, die Amerikanerin, die dieses Auto fährt entspricht sicher der stereotypen Vorstellung, die wir von den Amerikanern haben.
Klar. Ich habe auch massenhaft Autos gesehen, auf denen „Du magst keine Waffen? Dann kauf keine!“ stand.
Die USA bestätigen alle europäischen Vorurteile. Aber sie sind immer auch das genaue Gegenteil. Und noch viel mehr.

Ich finde das irgendwie stark.

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