Homeofficetagebuch, 15. Juni bis 26. Juni

Montag, 15.06.2020
War sehr aufgeregt. Heute Morgen zum ersten Mal wieder in der Schule. Mit Schüler*innen und Schülern! Wegen letzter Vorbereitungen für die Prüfung. Da saßen sie alle in der Aula verstreut mit vermummten Gesichtern. Und ich war auch vermummt und musste vor lauter Aufregung meine Brille absetzen.
Kind hat ersten Schultag in der Grundschule. Kommt glücklich heim. Die beiden anderen im Homeoffice. Nicht so irre motiviert.

Dienstag, 16.06.2020
Das Homeoffice ist eine Krake. Überall breiten sich die Unterrichtsmaterialien der Kinder aus. Das ist nicht gut. Denn heute ist Deutsch-Prüfung. Ich bin der Prüfer. Da kann ich nicht so genau gucken, was alles auf der Treppe rumliegt. Vermutlich ist es ein Physik-Arbeitsblatt, auf dem ich ausrutsche und mit Karacho mit dem Steiß in der Playmobilgaleere lande. Vom Rumms aufgeschreckt eilt die Familie herbei und kümmert sich um die Galeere. Ich liege bäuchlings auf dem Sofa und kühle meinen Steiß. „Runterfallen, Arsch verknallen, so ist das Leben“, singt der Jüngste versonnen, während der Rest der Familie das Playmoschiff mit Sekundenkleber repariert. „Kümmert euch nicht um mich“, röchle ich. „Brauchst du auch Sekundenkleber?“, fragt die Frau. Alle lachen.
Stehend radle ich zur Prüfung und führe nur mit der rechten Gesäßhälfte sitzend Aufsicht. Fällt keinem auf.

Mittwoch, 17.06.2020
Ich korrigiere. Nur auf der rechten Hälfte sitzend. Mein Elfjähriger hat heute auch ersten Schultag. Kommt glücklich heim. Frage die Frau vorsichtig nach Schinkenhörnchen. Gibt es nicht mehr, weil das Homeoffice zu Ende geht. Ich denke Schinkenhörnchen wären gut für meinen Steiß. Polsterung.

Donnerstag, 18.06.2020
Kann fast wieder richtig sitzen. Wenn auch vorsichtig. Bin fertig mit dem Korrigieren der Prüfungen. Der Jüngste kommt heim und ist glücklich, weil er eine Rolle in einem Schultheaterstück übernehmen darf. Er spielt eine Schnecke. Sie heißt „Kriechi“. Sein Freund spielt „Schleimi“, die andere Schnecke. Könnte interessant werden.
Sitzung der GEW-Personalratsfraktion. Wer sind all die vermummten Leute, die dauernd „Mmmm mmm, sollte man mal, mmm mmm, oder?“ sagen? Die Gastgeberin hat dagegen eine dieser Spruckschutzstirnbänder. Sieht ein bisschen aus, als würde sie einem Chemielabor arbeiten.

Freitag, 19.06.2020
Schinkenhörnchen. Also doch!

Samstag, 20.06.2020
Bin bei einem Holamodul. Wir sitzen im Rokoko-Festsaal zwei Meter weit auseinander und dürfen uns nicht bewegen. Thema: Soziales Lernen. Stark.
Abends: Sonnenwendfeier mit Feuer.

Montag, 22.06.2020
Heute zum ersten Mal wieder Unterricht. Hat mich an die Bundeswehr erinnert. Beim Entenmarsch durch das Schulgebäude, war ich ständig in Versuchung die bescheuerten Feldwebel-Sprüche zu bringen. Beim Auf- und Absetzen der Schutzmaske musste ich an das ABC-Angriffstraining denken. Die Schüler*innen waren froh, sich wieder zu sehen. Vielleicht waren sie auch froh, mich zu sehen. Wenn ja, dann haben sie es nicht so richtig gezeigt.

Dienstag, 23.06.2020
Unterricht. Komme mir ein bisschen vor wie in so einer Late-Night-Talkshow. Ich sitze am Pult und moderiere. Manchmal dürfen die Zuschauer auch was sagen. Habe überlegt, ob ich mir so Show-Musik auf das Handy mache und nach jedem Witz und jeder Arbeitsanweisung einen Tusch spiele.

Mittwoch, 24.06.2020
Die Schüler*innen haben heute so leise gearbeitet, dass ich fast eingeschlafen wäre. Es ist ein bisschen wie Homeschooling mit Sichtkontakt.
Nachmittags habe ich mir eine Fitness-App runtergeladen. Eine Schülerin hat erzählt, sie habe sich damit fit gehalten. Eine halbe Stunde später habe ich die App wieder gelöscht. Ich bin doch nicht Jane Fonda! Außerdem schmerzt der Steiß. Ganz leicht noch. Aber Sport geht so leider nicht.

Donnerstag, 25.06.2020
Habe den Tag heute so gestaltet, dass es immer wieder Bewegungselemente gab. Hinsitzen und Aufstehen und alles. Das war besser. Sehr schön so ein ritualisierter Tagesablauf.

Freitag, 26.06.2020
Die Treppe gründlich aufgeräumt und gestaubsaugt. Die Galeere haben sie hervorragend geflickt. Kann man nichts sagen. Heute kein Live-Unterricht. Homeschooling kommt mir irgendwie fad vor.

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Homeoffice, 11. Mai bis 23. Mai

Montag, 11.05.2020
„Ich glaube, das habe ich noch nie einem Lehrer geschrieben“, schreibt ein Schüler an mich, „aber Ihnen schreibe ich das: Sie fehlen mir.“ Habe vor Rührung auf meine Computertastatur geweint. Zum Glück kein Kurzschluss. Dann gewartet, dass noch mehr Kinder solche Sachen schreiben. Kam aber nichts mehr.
Im Wohnzimmer feindselige Blicke der Kinder. Die Frau hat zu wenig Schinkenhörnchen gebacken. „Ich esse eh keine“, sage ich abwehrend. Habe dann auch wirklich nur eines gegessen.

Dienstag, 12.05.2020
Allerlei Sachen vom Ministerium gelesen. „Pädagogisch“ scheint ein Synonym für „freundlich“ zu sein. Es könnte auch „macht einfach irgendwie und begründet es“ bedeuten.

Mittwoch, 13.05.2020
„Geh doch mal spazieren“, sagt die Frau. Ich setze einen fragenden Blick auf. „Das nervt voll, wenn du dauernd da bist.“ Ich setze einen irritierten Blick auf. „Ich bin keine Sekunde alleine hier, das nervt.“ Mein Hinweis, dass ich doch im Arbeitszimmer systemrelevante Arbeit verrichte, also nur theoretisch da sei, wird abgeschmettert. „Ja, aber praktisch bist da!“
Telefoniere mit dem Hausarzt. Zehn Minuten später setze ich die Schulleitung davon in Kenntnis, dass ich nach den Ferien wieder zum Dienst zur Verfügung stehe.

Donnerstag, 14.05.2020
Schulleitung hat das Angebot angenommen. Wenn es jetzt überall Lockerungen hagelt, dann kann ich mich ja wohl auch locker machen, oder?

Freitag, 15.05.2020
Bin uninspiriert seit ich weiß, dass ich wieder so richtig unterrichten werde. Habe darum einen Zeitungstext mit der Schlagzeile „Notbremsung in den Pfingstferien“ gelesen. Erst am Ende gemerkt, dass da eigentlich „Notbetreuung“ stand.


Montag, 18.05.2020
Habe gerade eben ein Loch in meinen Computerbildschirm gestarrt. Es qualmt noch. Homeoffice und schlechtes Wetter sind eine ganz schlechte Mischung.

Dienstag, 20.05.2020
HoLa-Hausaufgaben gemacht. Dienstag ist besser als Montag. Erstens: Diese Woche hat nur drei Tage, zweitens: Der Montag ist vorbei. Drittens: Es ist nur noch ein Tag.

Mittwoch, 21.05.2020
Habe mit meinem Chef ein HoLa-Gespräch geführt. Über so was ähnliches wie Zoom, nur irgendwie datenschutzsicher. Das Gespräch hat lustig angefangen. Ich konnte meinen Chef nicht hören, er aber mich. Das Gespräch begann als wunderbare Pantomime-Show. Chef hat ständig auf seinen Schreibtisch gezeigt. Ich dachte, dass er mir zeigen will, dass bei ihm auch große Unordnung herrscht, oder dass er einen neuen Schreibtisch hat. Irgendwann habe ich kapiert, dass er wollte, dass ich auf das Lautsprechersymbol klicke. Hab ich gemacht. Dann gings mit dem Ton. Sehr merkwürdig ist, dass man sich selber sieht. Habe festgestellt, dass ich rumhample wie ein drittklassiger Provinzschauspieler.

Donnerstag, 22.05.2020, Allerheiligen
Um sechs aufgestanden. Frühstück hergerichtet. Keine Zeitung da. Ärgerlich. Kinder geweckt. Frau sagt: „Leg dich wieder hin, heut ist Feiertag.“ Sohn ruft: „Heut ist doch Jensi Himmelfahrt!“ Nein, denke ich, heute ist Jensi-aus-der-Haut-Fahrt. Bleibe aber ruhig.
Draußen fährt der erste Vatertagsbierbanktraktor vorbei. Habe die Familie angewiesen, dass ich nichts, aber auch wirklich gar nichts mit dem Vatertag zu tun haben will. Kind schenkt mir ein wunderbares Vatertagsbild. Bin gerührt. „Mein Papi und ich!“. Frau guckt unschuldig, zuckt mit den Schultern und deutet auf das Kind. Na gut.

Freitag, 23.05.2020
Heute ist abstauben angesagt. Wo, denke ich, sind meine Dust-Off-Tools. Und da merke ich es: Dieses Homeoffice muss jetzt bald mal wieder aufhören.
Heute 71. Jahrestag der Ausrufung des Grundgesetzes. Nachbar sagt, es sei ihm egal. Das GG sei eh durch finstere Kräfte entstanden, ob ich das nicht wisse? Es gäbe 23 Illuminaten, hauptsächlich Milliardäre, die im geheimen die Welt regieren. Die Marionettenregierungen erhalten bei der Bilderbergkonferenz ihre Anweisungen. Das Grundgesetz sei am 23. Ausgerufen worden! Dann der Mai, der 5. Monat! 5 ist die Quersumme von 23! Und die Quersumme von 1949 ist 23. Zufall? Oh, nein. Sagt der Nachbar. Die Leute haben einfach viel zu viel Zeit. Frage ihn nach seinem Aluhut. Er antwortet überlegen grinsend, dass ich mich noch wundern werde. Ich wundere mich jetzt schon, denke ich. Sage aber nichts. Wer weiß, wer uns dabei zuhört? (Akte X Musik erklingt…)

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Homeoffice, 27.04. bis 03.05.

Montag, 27.04.2020
Ich habe mich am Sonntag auf meine Brille gesetzt. Der Rahmen ist kaputt. Die Optikerin hat meine Gläser in ein pittoreskes Damengestell gebaut. Ich war mit einer Maske beim Optiker. Zoom geht jetzt erstmal auf keinen Fall. Die halten mich doch alle für Ilona Christen.

Dienstag, 28.04.2020
Die Optikerin hat noch nicht angerufen. Ich war mit diesem türkisfarbenen Brillengestell und der rot gepunkteten Maske beim Bäcker. Die kecke Verkäuferin meinte, ich solle mich nicht so anstellen, Elton John sehe ja auch so aus. Meinen Einwand, dass ich nicht so gut singen könne wischt sie weg. „Sie sind doch der Lehrer, der immer Gitarre spielt und mit den Kindern so singt, oder?“ Ja, sage ich, das stimme, aber das sei mehr so mit Chor, weniger Elton John, mehr Gotthilf Fischer. Kennt sie nicht. Ist sie zu jung.

Mittwoch, 29.04.2020
Die Optikerin hat immer noch nicht angerufen. Das Elterngespräch heute zum Glück nur telefonisch. Und auch die Kollegen, die nächste Woche unterrichten müssen und anrufen können mich zum Glück nicht sehen. Sie klingen alle mulmig und wissen nicht so richtig wie alles werden soll.

Donnerstag, 30.04.2020
Es regnet. Ich habe den Siebtklässlern den Auftrag gegeben ein mittelalterliches Gebäude in ihrem Ort zu fotografieren und mir zu schicken. Oh jeh. Die Frau sagt, ich solle ums Haus herum aufräumen. Wegen des 1. Mai. Als Lehrer gehöre man ja nicht nur bei Corona zur Risikogruppe, sondern auch bei bescheuerten Maispäßen. Ich sage: Es regnet. Sie deutet stumm auf die Regenjacke.

Freitag, 01.05.2020
Keine Maischerze. Nicht mal Zahnpasta auf dem Autotürgriff.

Samstag, 02.05.2020
Einkaufen. Fahre mit Maske und Brille Auto. Der Nachbar gestikuliert in meine Richtung. Ich kann nicht richtig deuten, was er will. Bestimmt macht er sich über meine Brille lustig. Ich mag die Optikerin. Aber sie lässt mich leiden.
Als ich heimkomme steht der Nachbar im Garten. Fahren mit Maske koste bis zu 60 Euro Bußgeld, ruft er. Ich antworte durch die Maske „Mmmmm mmm mmm hmmm ,mm!“ Er versteht mich nicht. Frage mich, wie man mit so einem Ding Unterricht macht.

Sonntag, 03.05.2020
Mein Mailaccount ist voll. Ich wusste gar nicht, dass das geht. Die ganzen Aufsätze und was ich jetzt so alles geschickt kriege, haben den Speicher komplett zugepfropft. Unglaublich. Ich lösche die Schuljahre 2005/06 und 2006/07. Jetzt geht es wieder. Dafür kriege ich jetzt dauernd Mails, in denen ich gefragt werde, ob ich wieder erreichbar bin.

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Homeoffice, 20.04. bis 24.04.2020

Montag, 20.04.2020
Ich war etwa 32 mal auf dem Klo. In drei Stunden. Ich sitze seit 8 Uhr am Laptop. Jetzt ist kurz vor Zwölf. Das Problem ist, dass ich dauernd Kaffee mache. Und dann trinke ich den ganzen Kaffee. Und dann gehen die körperlichen Dinge ihren Lauf. Vielleicht müsste ich gar nicht so oft. Aber man hat dann einen Grund aufzustehen. Die Frau guckt schon komisch, weil ich dauernd in der Gegend rumlaufe.
Schüler*innen sind alle wieder da. Die motivierte Kollegin hat mich mit lauter Apps versorgt. Das machen die Kinder jetzt und ich kann gleich gucken, ob alles passt. Virtuelles durch die Bankreihen gehen.

Dienstag, 21.04.2020
Wir haben ein Formular gekriegt. Da müssen wir ankreuzen, ob wir zur Risikogruppe A oder B gehören. Ein Meisterwerk der Uneindeutigkeit. Beispielsweise der erste Punkt. Da geht es um Leiden am Herz-Kreislauf-System. In Klammern steht „Beispielsweise Koronare Herzerkrankungen und Bluthochdruck“. Die Kollegen-Diskussion auf Whatsapp dreht sich jetzt um die Frage, muss man beides haben, damit man zur Risikogruppe gehört, also Coronare Herzerkrankung plus Bluthochdruck, oder ist es eine Aufzählung? Die andere große Frage in der Diskussion: Am Ende kann man ankreuzen, dass man trotz Zugehörigkeit zur Risikogruppe trotzdem kommt. Die einen sagen, das gelte nur für Risikogruppe B, die anderen sagen für beide.

Mittwoch, 22.04.2020
Aufklärungsmail vom Ministerium. Ich gehöre zu Risikogruppe A. Das Trotzdem-Kommen-Kreuzchen gilt aber nur für Risikogruppe B. Ich hasse mein Arbeitszimmer. Ich hasse Corona. Ich will hier raus! Viele Kolleg*innen schreiben, dass sie ihr Arbeitszimmer hassen und raus wollen und jetzt nicht können. Ich schließe daraus, dass sie auch zur Risikogruppe A gehören. Es ist deprimierend. Verschwörungstheorie: Die Maskenpflicht wurde nur eingeführt, damit man unsere übellaunigen Gesichter nicht sieht.

Donnerstag, 22.04.2020
Ich lese die Hygienevorschriften für die Klassenzimmer. Preußische Disziplin. Die Frau betreibt die Hausbeschulung immer noch vorbildlich. Sie hat für die „Große Pause“ Schinkenhörnchen gebacken. Ich habe aufgehört mich zu wiegen. Ist ja auch egal. Sieht mich ja eh keiner. Ich darf ja nicht unterrichten. Die Frau mahnt mich, ich solle den Kindern nicht die ganzen Schinkenhörnchen wegessen. Sie summt die Melodie des Kinderliedes „Wir werden immer größer!“ Vor ein paar Tagen hat sie es ganz perfid umgedichtet auf „Wir werden immer dicker!“ Nur weil ich mit dem Auto zum Supermarkt gefahren bin (der gegenüber unseres Hauses liegt). Jedes Mal, wenn ich meine Hand ausstrecke summen die Kinder und sie diese Melodie … Wäre ich in der Schule, ich könnte dafür Nachsitzen oder Strafarbeiten geben!

Freitag, 22.04.2020
Heute nichts gefrühstückt. Dann sinnlos Fahrrad gefahren. Hierhin und dahin. Wegen der Fitness. Nach zwei Kilometern war ich fix und fertig. Und dann musste ich die Strecke ja auch wieder zurück fahren. „Und“, fragt der Sohn, „bist du fit?“ Die Frau hat Schinkenhörnchen gebacken.

Samstag und Sonntag, 23.04. bis 24.04.2020
Samstag den sanitären Bereich gereinigt. Gründlich. Mit Sagrotan. Das Bad ist viel heller als mein Arbeitszimmer. Dann überall gestaubsaugt. Oh, diese Bewegung! In der Garage Mäuse gejagt … die krieg ich! Abends auf dem Sofa eingeschlafen. Sonntag große Wanderung. Habe umgehend Muskelkater.

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„Willst du mit mir gehen?“ – Don’t mention Love 3

Hier gibt es
Don’t mention Love 1
Don’t mention Love 2

Dienstag, 14. März 1989


Ich saß auf Onnys Bett. Die untergehende März-Sonne wärmte mir den Rücken. Vielleicht war es aber auch der Heizkörper unter dem Fenster in dem völlig überheizten Zimmer, in dem Onny und ihre Mutter schliefen. Onny saß auf dem Bett ihrer Mutter und wurde geblendet. Ich vermutete, dass sie mich nur als Schattenriss sehen konnte. Das machte es einfacher. Denn obwohl ich meinen gleichgültigen Gesichtsausdruck inzwischen ziemlich gut drauf hatte, war die Situation so, dass ich mir nicht sicher sein konnte, dass das auch so blieb. Wie konnte ich Onny sagen, was ich sagen wollte und trotzdem cool sein? „Liebe“ war extrem uncool. Man musste Gefühle zeigen. Aber Gefühle taten weh und waren hinterher meistens peinlich.
So. Und da saß ich nun bei Onny. Ich wusste, dass sie wusste wie die Sachlage war. Ich musste es aber noch aussprechen.
Den ganzen Nachmittagsunterricht hatte ich gegrübelt. Das war kein Problem gewesen, denn Herr Udwig hatte neunzig Minuten lang einen übellaunigen Monolog über Kolchosen in der UdSSR und Monokulturen gehalten.
Direkt nach der Schule hatte ich so getan, als ginge ich nach Hause, aber als die anderen weg waren, hatte ich den Weg zu Onny eingeschlagen. Ich hatte keine Lust, ihnen zu erklären, was ich vorhatte. Dann würden sie morgen wieder alle kommen und „Und?“ sagen. Und dann würde ich wieder über Gefühle sprechen müssen. Und dann würden es die Mädchen unserer Klasse erfahren und sie würden mit Mädchen aus anderen Klassen sprechen und so weiter und so fort. Und das sollte auf keinen Fall passieren, denn ich hatte keine Lust, darüber zu reden. Mit niemanden. Und eigentlich nicht mal mit Onny. Aber das musste jetzt halt irgendwie sein.
Onny wohnte am anderen Ende der Stadt. Die Haustüre ihres Wohnblocks stand offen. Ich ging gleich zur Wohnungstüre hinauf.
Nachdem ich geklingelt hatte, rumptelte es in der Wohnung. Mein Herz klopfte. Onnys Mutter riss die Türe auf und strahlte mich an. „Was hast du mit meiner Tochter gemacht?“ rief sie so laut, dass es im Treppenhaus hallte. Ich taumelte ein bisschen hin und her und wusste nicht genau wie ich das interpretieren sollte. Ich sagte: „Ähhh, ich…“ Onnys Mutter strahlte: „Die war so glücklich, als sie von der Party kam am Freitag, die ist regelrecht hier rein geschwebt….“ Tja, und da war schon der erste Mensch, mit dem ich darüber reden sollte. Es war schlimm. Ich kam mir vor, als stünde ich hier, um einen Heiratsantrag zu machen und ich konnte meinen Fluchtreflex nur mühsam unterdrücken. Da tauchte Onny im Flur auf und grinste peinlich berührt. „Mama“, hauchte sie beschämt. „Das war so schööön, hat sie gesagt“, machte ihre Mutter ungerührt weiter. „Mama“, sagte Onny jetzt mit zärtlichem Nachdruck. „Ich geh ja schon, ich geh ja schon“, flötete sie jetzt. Sie verdrehte die Augen und verschwand in Richtung Wohnzimmer.
„Komm rein“, sagte Onny und ging in ihr Zimmer. Ich folgte ihr und schloss sorgfältig die Türe.
Und da saßen wir jetzt.
„Der Udwig hat sowas von keinen Bock“, eröffnete ich das Gespräch auf einem Gebiet, auf dem ich mich sicher fühlte.
„Hattet ihr den jetzt?“, fragte Onny.
„Ja, und der hat sowas von keinen Bock, der labert und labert und labert in einem Fort und der Orber ist eingeschlafen, auf einmal fängt der so ganz schwer zu atmen an und dann ist dem der Kopf so weggeknickt und der Udwig hat das nicht mal gemerkt.“
„Echt“, kicherte Onny.
„Ja, echt!“ Ich schüttelte den Kopf.
„Echt“, sagte Onny nochmal.
Und ich: „Der Udwig, so krass!“
Onny schüttelte auch den Kopf.
„Der alte Schwung ist hin“, zitierte ich Werner Enke.
„Findest du“, sagte Onny, wirkte aber irgendwie unkonzentriert.
„He, seit der Schilling Rektor ist, sind alle guten Lehrer weg, und die, die noch da sind haben Scheißlaune“, schimpfte ich und benutzte ein typisches Wort meines Freundes Ruch: „Scheißlaune“. Das sagte er oft zu mir, obwohl ich eigentlich nie Scheißlaune hatte. Ich hatte gar keine Laune.
Aber je länger ich über die Schule redete, umso mehr spürte ich, dass sich eine merkwürdige Spannung zwischen mir und Onny aufbaute. „Don’t mention Love“ war hier keine Lösung, das wurde mir immer klarer.
„Ich kenn den Schilling ja gar nicht“, sagte Onny verspannt.
„Sei froh“, brummte ich, „neulich kam er mit einer riesen Papierwurst in den Unterricht, wir sollten uns da was abreißen und das wurde dann ein riesen Chaos …“
Onny unterbrach mich.
„Was ist dir denn jetzt eigentlich passiert?“, fragte sie schnell.
Ich schaute sie erschrocken an. Die Sonne hatte aufgehört zu blenden. Wir saßen jetzt in einem dämmrigen Dunkel. Jetzt, jetzt, jetzt!, dachte ich.
„Ja“, sagte ich gedehnt, während Onny sich zusammenrollte.
„Also“, begann ich nochmal und merkte, dass das jetzt ziemlich viele Füllwörter waren.
„Du…“, sagte ich und hörte dann wieder auf.
„Also ich …“, machte ich weiter, dachte dann aber: Nein. So auch nicht.
Das wäre dem Eber nie passiert. Und dann erschrak ich, weil ich merkte, dass ich aufgestanden war. Scheiße, dachte ich und setzte mich auf den Boden und beruhigte mich mit dem Gedanken an die schüchterne Liebesszene zwischen Werner Enke und Sabine von Maydell in „Wehe, wenn Schwarzenbeck kommt!“ „Wenn ich zwanzig Jahre älter wär‘“, sagte der Enke da, „könnt ich glatt dein Vadder sein!“
„Ja“, sagte ich nochmal, „also du hast ja gemerkt, dass ich,… also dass ich dich oft besuche und ich habe halt gemerkt, dass ich voll gut mit dir reden kann, über alles und so…“
Voll gut reden können war ein wichtiges Kriterium für das „Kennenlernen“. Denn „sich erstmal kennenlernen“ unterschied eine reife Beziehung vom sinnlosen „willst du mit mir gehen“ Gefrage.
„Find ich auch“, hauchte Onny.
„…und ich bin ja darum immer öfter zu dir gekommen und das war dann echt immer so…“
Ich stockte, der Satzbau lief aus dem Ruder. Was war es denn immer so?
„…gut.“, beendete ich den Satz.
„Und da hab ich halt gemerkt, dass ich nicht nur wegen des Redens komme.“
Und jetzt? Die Pause wurde immer länger. Im Zimmer wurde es immer dunkler.
„Hab ich gemerkt“, hauchte Onny und schaute immer noch nicht her.
„Ich bin gekommen, weil ich gemerkt habe…“, ich nahm mentalen Anlauf, „…,dass ich in dich verliebt bin.“
Ich hasste diesen Ausdruck „In dich verliebt!“. So ein Quatsch! Es hörte sich an wie „ver-fahren“ oder „ver-laufen“, wie irgendwas, was schief gegangen war. Es war kindisch, aber irgendwie musste ich die Botschaft ja rüberbringen.
Onny rollte sich noch enger zusammen und lächelte, nicht in meine Richtung, aber sie lächelte.
„Ich mag dich auch!“, sagte sie schnell und leise, aber so, als habe sie schon länger darauf gewartet, das jetzt mal sagen zu können.
Sie hat es gesagt!
Sie hat es gesagt!
Sie hat es gesagt, dachte ich.
Jetzt müsste es irgendwie weiter gehen, überlegte ich. Aber statt dessen wurde es immer dunkler und die Pause immer länger.
„Und …“, wollte ich weitermachen. Aber womit eigentlich? Müsste jetzt nicht der Kuss kommen? Umarmung? Sowas? Oder zumindest die Hände? Aber es passierte nichts. Wir saßen beide im Dunkeln und die Spannung knisterte wie ein Hochspannungsmast im Regen.
Da ging ohne Vorwarnung plötzlich die Türe auf und das Licht an. Das war ein Schock.
„Ja, sowas“, lachte Onnys Mutter und grinste verschwörerisch, „warum sitzt ihr denn im Dunkeln?“
Ich kniff die Augen zusammen und Onny setzte sich wie auf frischer Tat ertappt kerzengerade auf das Bett.
„Ich muss da mal schnell“, murmelte Onnys Mutter und suchte etwas hinter Onny.
„Ah, hab schon…“, rief sie und hielt etwas in die Höhe. Dann ging sie und schloss die Türe.
„Ja“, holte ich wieder aus, um etwas zu sagen. Etwas, das vielleicht zu einem Kuss führen könnte. Denn darum ging es ja jetzt wohl.
Da ging die Türe wieder auf. Connys Mutter steckte grinsend ihren Kopf durch den Türspalt und knipste das Licht wieder aus.
„Tschuldigung“, sagte sie und ging wieder.
Wir saßen im Stockdunkeln und kicherten.

„And in the darkened underpass
I thought, oh God, my Chance has come at last.
But then a strange fear gripped me
And I just couldn’t ask.”


Das sangen die Smiths in meinem Kopf vor sich hin.
„Also“, sagte ich ins Dunkel hinein, „dann muss ich dich ja jetzt fragen, ob du, … also ob du dann mit mir gehen willst?“
„Ja“, kam es vibrierend aus der Bettecke zurück.
Ich fühlte mich total bescheuert. Jetzt hatte ich sie in meiner Ratlosigkeit auch noch gefragt, ob sie mit mir gehen will! Wie sehr hatte ich all diejenigen verachtet, die das getan hatten! Und der Ucher hatte die Orinna ganz bestimmt nicht gefragt, ob sie mit ihm gehen will. Ich spürte eine wachsende Ratlosigkeit, die mich traurig machte. Ich hatte mir mich in dieser Situation ganz anders vorgestellt und fest an meine Vorstellung von mir selber geglaubt. Und jetzt saß ich da und fragte, ob sie „mit mir gehen will“. Und das Schlimme war, dass mir jedes Mal, wenn ich diese Worte dachte, die Ansage von Dieter Thomas Heck für Daliah Lavis Schlager „Willst du mit mir gehen?“ einfiel.

Sie kennen sie als Paloma Nakama, die weiße Taube, und jetzt ist sie hier: Daliah Lavi – Willst du mit mir gehen? Ja, das wollen wir! Klaus, fahr ab!


Und „Abfahrt“ war dann auch mein Stichwort. Wegen der Kuss-Situation. Beim Abschied, da küsste man. Die Ierfreund hatte gesagt, dass ich gut küssen könne. Also.
„Ich muss bald gehen, wir schreiben morgen Physik“, sagte ich.
Onny war still.
„Physik ist scheiße“, sagte ich, „sei froh, dass du das noch nicht hast.“
„Bin ich“, kam es leise aus der Dunkelheit. Ich mochte Onnys immer ein bisschen heisere Stimme.
Sie machte das Licht an. Wir standen uns verlegen gegenüber. Ich nahm meine Schultasche hoch, während Onny sich an der Zimmertüre herumdrückte. Ich ging zu ihr. Und noch ein bisschen näher.
„Denkst du“, sagte ich, „also, sollen wir uns küssen?“
„Ich weiß nicht“, sagte sie und kicherte, „ja!“
„Und, äh, aber ohne Zunge, weil da muss man sich besser kennen“, sagte ich bebend.
„Das wär voll peinlich, wenn jetzt meine Mama reinkommt“, sagte Onny.
„Ja“, sagte ich und stellte meine Schultasche ab. Ich legte meine Arme um sie. Sie legte ihre Hände auf meine Schultern. Ich bückte mich zu ihr hinunter. Dann küssten wir uns zaghaft auf den Mund. Onny kicherte und machte sich los. Ich versuchte mein Aufregungszittern zu verbergen. Als Onny mich kusslos an der Haustüre verabschiedete, rief ihre Mutter aus dem Wohnzimmer „Tschüss, Ens!“.

Es war kalt draußen. Den Schulranzen trug ich am langen rechten Arm. Mit weit ausholdenden Schritten ging ich zwischen Hoseneck und Gasthof Sonne den Berg hinauf. Jetzt hatte ich also eine Freundin. Das war schon mal gut. Der Einstieg war nicht so lässig verlaufen, wie ich mir das gedacht hatte. Irgendwie war ich immernoch peinlich berührt davon, dass ich „gefragt“ hatte. Der Kuss war ziemlich unbeholfen gewesen. Und es hatte nicht nur an Onny gelegen. Die ganze Aktion war ziemlich unbeholfen gewesen. Und das hatte auch nicht nur an Onny gelegen. Ich war so wahnsinnig uncool. Es war erschütternd.
Und noch immer verfolgte mich Daliah Lavi. Es war bizarr.

Man nennt es Liebe, man nennt es Glücklichsein,
Keine Sprache hat mehr als Worte.
Willst Du mit mir gehn, …
Willst Du mit mir gehn,
Wenn ich nicht mehr bin wie einst.
Willst Du mit mir gehn,
Auch wenn Du um gestern weinst.
Wenn jedes Schweigen uns verrät,
Was reden wir,
Tröstet mich auch dann ein Wort von Dir.“


Zu Hause schauten sie „Forsthaus Falkenau“. Ich schaute nicht mit. Total bescheuerte neue Serie. Ich saß am Wohnzimmertisch.
„Wo warst du denn so lange?“, wollte meine Mutter wissen.
„Ist doch egal“, sagte ich und ging in mein Zimmer.
Ich konnte das nicht in mein Tagebuch schreiben. Das ging nicht. Es passte überhaupt nicht zu dem Ens, der sonst in dieses Tagebuch schrieb. Also ließ ich es.
Ich kniete mich vor meine Plattensammlung. Musik. Vielleicht würde das helfen. Tote Hosen? Ärzte? Ironie kam mir komisch vor jetzt. The Cure? The Smiths? Melancholie passte auch nicht so richtig. Kraftwerk? Sex Pistols?
Ich ließ das mit der Musik. Stattdessen setzte ich mich mit dem Physikheft an den Schreibtisch. Ich starrte die Seiten an. Ich verstand gar nichts. Das würde eine Katastrophe werden morgen. Die Katastrophe am Tag nach dem Happy End, dachte ich. Und wie ich das so dachte, ging mir das Problem auf. Ich hatte das Happy End hinter mir. Filme hörten dann auf. Das Paar war zusammen gekommen und hatte sich geküsst. Aber das hier war das Leben. Und ich hatte keine Ahnung wie es weitergehen sollte. Und das hatte ich bei der ganzen Angelegenheit absolut nicht bedacht.
Ich legte mich aufs Bett und blätterte in „Homo Faber“. Das half ein bisschen.

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Homeoffice, Day 6 bis 10

Affi beim Homeoffice.

Montag, 23. März 2020
Tatsächlich Routine. Baum beobachten. Aufgaben machen. Die Schulen haben den Kindern auf sehr unterschiedliche Art Aufgaben gegeben. Aber alle haben es gut gemacht. Die Lehrkräfte sind bei Schwierigkeiten erreichbar. Das Persönliche fehlt halt.
Ich bestücke mein Kuddel-Moodle neu. Der Chat mit meiner Klasse verläuft, wie eine sehr undisziplinierte Unterrichtsstunde. Jeder quatscht mit jedem hin und her. Jeder kommt und geht, nach Lust und Laune. Einzelbetreuung per Mail funktioniert besser.
Nachmittags gucken wir alle gemeinsam eine Lesung von Kirsten Boie, die aus „Möwenweg“ vorliest. Kirsten Boie, das muss mal gesagt werden, ist die größte Sprachkünstlerin direkt nach Arno Schmidt.

Dienstag, 24. März 2020
Die Module spielt verrückt, geht mir den ganzen Morgen im Kopf herum. Ich meditiere über der Nachricht der HoLa-Lehrbeauftragten. Die haben uns nämlich ein Lern-Modul auf Moodle gestellt (und ja, sie machen es viel besser, als ich). Aber, ob das Modul als Leistungsnachweis zählt, das weiß keiner.
Nachmittags beim Einkaufen. Bei der Bäckerei ist jetzt Einbahnverkehr. Auf den Boden sind schwarz-gelbe Abstandhalter. Im Supermarkt auch. Um die Kasse herum sind Plexiglasverkleidungen. Die Verkäuferinnen haben schwarze Gummihandschuhe an.

Mittwoch, 25. März 2020
Heute kurz überlegt, ob ich überhaupt aufstehen soll. Dann noch länger überlegt. Es wurden dann etwa zwanzig Minuten daraus. Hochgeschreckt und dann doch aufgestanden. So viel Pflichtbewusstsein hätte ich mir gar nicht zugetraut.
Beim Homeoffice einen Schüler im Chat verhungern lassen. Er hat viermal, „Hallo, Herr Buchholz?“ geschrieben, bevor er den Chat verlassen hat. Ich habe unterdessen den Hecken und dem Gras zugeschaut, wie sie vom Wind gestreichelt werden. Der Himmel klar wie ein Glas Leitungswasser. Kein einziger Kondensstreifen.
Bei einer Autorenlesung im Netz kriegen meine Frau und die Kinder einen Zeichenkurs. Vom Siebenjährigen bis zur Frau kriegen alle einen guten Tierdetektiv Jacky Marrone hin. Webinar? Vielleicht doch Gedichtanalyse per Video? Der Versuch schlägt fehl. Erstens sehe ich in dem Video aus wie Markus Söder kurz nach dem Aufstehen. Zweitens sage ich dauernd „äh“ und „genau“.

Donnerstag, 26. März 2020
Eine meiner Schülerinnen hatte am letzten Schultag mein Exemplar der Prüfungslektüre „Schneeriese“ eingepackt. Habe mich heute Morgen mit ihren Eltern vor der Bäckerei verabredet. Dort fand die Übergabe statt. Wirklich nett. Aber auch ein bisschen unwirklich, wie wir uns vorgebeugt haben, um nicht zu nahe beieinander zu stehen.
Beim Einkaufen vergesse ich das Druckerpapier. Ich habe Eis und Schokolade gekauft. Das Kind bezeichnet mich deswegen „dumm“. „“Dumm“ ist keine Analysekategorie für Personen“, doziere ich, „„Dummheit“ kann höchstens die Handlungsweise einer Personen sein.“
Ich gehe zurück zum Supermarkt. Er ist überfüllt. Nach zehn Minuten darf ich rein. Ich nehme die letzte Packung Druckerpapier. Ich stelle mich an Kasse 2 an. Kurze Schlange. Sind die alle dumm, was stehen die an Kasse 1, denke ich. Da sehe ich es. Vor mir steht eine Frau, deren Einkaufswagen bis oben überquillt. Erst räumt sie alles ganz langsam aufs Band. Dann packt sie alles ganz langsam ein. Sie kramt ewig im Geldbeutel und fragt drei Mal nach dem Preis.
„Da war eine dumme Frau vor mir im Supermarkt…“, sage ich beim Schuhe ausziehen. „Dumm“, sagt das Kind, „ist keine Analysekategorie für eine Person, sondern für ein Verhalten.“ Die Frau steht breit grinsend da. „Beispielsweise für Leute, die in den Supermarkt gehen, um Druckerpapier zu kaufen, dann aber statt dessen Eis und Schokolade dabei haben, dann wieder in den Supermarkt gehen…“ Ich hebe geschlagen die Hände.

Freitag, 27. März 2020
Krass. Moodle ist abgeschmiert. Zuerst dachte ich noch, dass es an meinem Uralt-Laptop liegt und dass es jetzt endgültig aus ist. Aber als verschiedene Eltern zurück gemeldet haben, dass es tatsächlich an Moodle liegt, war ich beruhigt.
Habe den ganzen Morgen mit scannen, fotografieren und kopieren verbracht. Habe sogar darüber nachgedacht ein Lehrvideo zu machen. Vielleicht nächste Woche? Und in Moodle mache ich diemal (Trommelwirbel) eine Fortschrittsliste! Es ist der Hammer!
Beim Bäcker ist jetzt auch alles verglast. Die Verkäuferinnen schieben die Tüten durch eine Öffnung. Beim Metzger haben sie die Theke mit Tapezierfolie verklebt. Man sieht die Verkäuferinnen nur als Schemen. Als würde man Fische in einem stürmischen See erahnen. Die Welt die ich kannte, es gibt sie nicht mehr.

Arno Schmidt liest aus Geburtstag im Möwenweg.
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Homeoffice, Day 2 bis 5

Überlege, wie ich mein Homeofficetagebuch nennen soll. Lehrer allein zu Hause? Kuddelmoodle? Dazed and Cofused?

Tag 2, Mittwoch, 18. März 2020
Zur Notbetreuung in die Schule gegangen. Herrliches Frühlingswetter. Die Spielplätze sind mit rot-weißem Plastikband abgesperrt. Ich muss an Tschernobyl denken. Dann treffe ich den Schulleiter. Wir halten Abstand. Auch er denkt an Tschernobyl. Der sehr vereinsamte Sozialarbeiter kommt auch sofort auf Tschernobyl. Sogar der Bürgermeister, der in der Notbetreuung vorbeikommt, muss bei den gesperrten Spielplätzen an Tschernobyl denken.
Es sind vier Kinder. Sie sitzen sehr weit auseinander. Alle arbeiten an ihren Aufgaben. Dann gehen wir Tischtennis spielen. Die Platte hat zwei Meter, genau der richtige Abstand.
Tag 3, Donnerstag, 19. März 2020
Alarm! In der Notbetreuung war ein Kind, das Kontakt mit einem Angesteckten hatte. Muss mich ab jetzt selber beobachten und verlasse das Haus nicht mehr. Kollege schreibt, die Notbetreuung sei eine Art Coronaparty. Ich schreibe keinen lachenden Emoji zurück. Nicht witzig. Ansonsten kämpfe ich mit Moodle und beantworte Mails: Ja, lieber Kevin, ich schalte dich frei, nein liebe Selina, du musst nur die Aufgaben machen, die da stehen, nein liebe Serpil, bei Englisch musst du deinen Englischlehrer fragen.
Habe wegen CORONA vergessen die VERAs zu korrigieren. Ich bin neben einem Bauernhof aufgewachsen. Der Bauer weckte mich morgens oft mit Geschrei auf, weil sich seine Kuh VERA sich beim Melken blöd anstellte. VERA war schon immer doof. Darf man im Homeoffice ja denken. Aber nicht sagen.
Tag 4, Freitag, 20. März 2020
Julia Klöckner sagt laut Bildzeitung, wer keine Arbeit habe, könne sich doch überlegen, in die Ernte zu gehen. Wegen des Spargels. Denke kurz darüber nach Spargelstecher zu werden. Verbeamteter Spargelstecher. Der Gedanke gibt mir neuen Schwung beim Ergründen der Untiefen von Moodle.
Die Frau betreut unsere Kinder. Die Arbeiten und machen Pause. Ziemlich motiviert. Die Frau ist eine spitzen Homeschooling-Kraft. Ich zweifle kurz an der Schulpflicht. Aber nur ganz, ganz kurz.
Im Supermarkt ist jetzt ein Abstandsband zwischen Kunde und Kasse. Draußen steht einer, der zählt wie viele Leute drin sind. Schlimmer als Tschernobyl.
Die Frau begeistert die Kinder für ihre Aufgaben. Sie führt mit ihnen ein Baumtagebuch. Sie fahren jeden Tag mit dem Fahrrad zu einem Baum, fotografieren und schreiben auf, was sich verändert hat. Stark. Ich korrigiere Quatsch und versuche über alle möglichen Kanäle Kontakt zu meinen Schüler*innen zu halten. Verabrede mich mit ihnen im Moodle-Chat für Montag. Bin gespannt.

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„Don’t mention Love 2“

Montag, 13. März 1989

Don’t mention Love 1″ gibt es hier.

„Wenn ich so überlege, wie viel ich schon gewichst habe“, sinnierte der Eber gerade, „dann dürfte das schon so ein Putzeimer voll Sperma ergeben, oder Oeser?“ Er sah der untergehenden Sonne nach.
Ich nickte nachdenklich. Sehr nachdenklich. Ich dachte daran, wie er letzten Freitag die Yps befummelt hatte. Und es war deutlich sichtbar gewesen, dass die das gut gefunden hatte. Obwohl sie eigentlich mit diesem Öl-Locken-Muskeltyp zusammen war. Das schien mein Schicksal zu sein. Meinen Freunden dabei zuzuschauen, wie sie an irgendwelchen Mädchen herum fummelten.
Der Hauptschulhof war absolut menschenleer. Es war halb Fünf oder so. Vielleicht auch später, was wusste denn ich? Der Himmel wurde schon langsam so märzgelb. Ich saß auf der steinernen Tischtennisplatte und lehnte mich auf meinen neongrünen Uvexhelm. Der Weber saß lässig auf seiner roten 80er Enduro. Ich war mitgefahren. Jetzt, dachte ich, sollten wir eigentlich rauchen. Aber wir rauchten beide nicht. Der Eber war Fußballer mit Ehrgeiz und ich kriegte immer Halsweh davon.
Der Eber hatte mich zu Hause abgeholt, wie fast jeden Tag. Seit der Ucher mit Orinna Räg zusammen war, war er praktisch aus meinem Leben verschwunden. Und mit ihm auch der Örg, der jetzt immer bei Rägs mit ihm rumhing. Wir begegneten uns eigentlich nur noch im City Pub oder im Deutschen Haus. Und dann klebte er immer an Orinna. Immer.
„Man müsste halt vielleicht mal messen, wieviel denn so pro Orgasmus bei dir rauskommt, dann könnte man das irgendwie hochrechnen, keine Ahnung frag Rno, der ist gut in Mathe“, schlug ich vor. Ganz lässig. Aber ich spürte, dass mein Gesicht heiß wurde.
„Es kommt viel raus, sehr viel“, grunzte der Eber. Jetzt schaute ich nach der untergehenden Sonne.
Er war bei seinem Lieblingsthema angekommen. Seit ein oder zwei Wochen monologisierte er am liebsten über das Wichsen. Zuerst hatte er über den Rektor unserer Schule geschimpft. Er hatte ihn als Wichser bezeichnet. Dann hatte er über ein Mädchen vom Kloster Wald referiert, mit der er gerne Sex hätte. Deshalb denke er beim Wichsen gerade immer an sie. „Boh, Oeser, ich freu mich da schon voll drauf, wenn ich der so eiskalt den Rücken runter streiche, und dann so mit den Händen unter den BH, das wird so geil!“ Von da aus war er ganz allgemein auf das Thema Wichsen gekommen. Und seither beherrschte es seine ausufernden Monologe.
Der Eber kannte sich aus mit Sex. Er hatte irgendwie dauernd mit irgendwem Sex. Und dann erzählte er es mir. Lang und breit und breit und lang und ich hörte dann aufmerksam zu. Ich hatte noch nie Sex gehabt. Aber ich redete mit dem Eber nicht darüber. Ich war gern mit ihm zusammen. Aber er bekam keine Intimauskünfte von mir, denn die würde er nicht für sich behalten, da war ich sicher. Und so viel Macht sollte er auf keinen Fall über mich haben.
„Und was ist mit Mausi?“, fragte ich, um den Eber ein bisschen zu ärgern, nachdem er nochmal seine Wichsfantasien über sie näher ausgeführt hatte. Mausi war seine aktuelle Freundin. Eine schlanke Achtklässlerin mit glänzenden dunklen Haaren und schneeweißen, geraden Zähnen. Und phänomenal langweilig.
Der Eber grunzte. „Muss die doch nicht wissen“, sagte er und grinste breit. Der Eber war nicht so der Typ für eine Freundin. Er war eher der Typ für Sex. Ich war ganz offensichtlich weder der Typ für das eine, noch für das andere.
Bei der Party am Samstag hatte der Eber mir erzählt, dass Mausi ihn „nicht ließ“. Deshalb müsse er mit anderen Mädchen Sex haben, das sei doch irgendwie auch sein Recht. Ich hatte genickt. In der Eber-Welt war das wohl so. Irgendwann mal hatte ich Judith gefragt, was eigentlich alle Mädchen am Eber so toll fänden. Er war plump und es war klar, was er wollte. Was war daran so toll? Judith war ein kluges Mädchen aus meiner Klasse. Ich wusste vom Eber alles über ihr Sexualverhalten, obwohl sie ihn auch nicht gelassen hatte. „Er gibt dir das Gefühl, dass er dich ganz arg mag, in dem Moment“, hatte sie gesagt. Und da war etwas dran. Aber war es nicht auch wichtig, naja, das man miteinander reden konnte? Ich beschloss Mädchen, die den Eber gut fanden, nicht mehr gut zu finden. Was schwer war. Viele Mädchen betrachteten ihn mit so einer Art begehrlicher Verachtung. So hatte ich das für mich genannt. Mich betrachteten sie meistens gar nicht. Vor allem dann, wenn der Eber dabei war. Um so wichtiger war es, den Eber komplett aus der Geschichte mit Onny heraus zu halten.
Seit also der Ucher mit Orinna verschwunden war, wurde der Eber mein häufigster Gast. Wir besuchten meistens irgendwelche Mädchen, mit denen der Eber dann flirtete, oder wir hingen auf dem Hauptschulhof herum. Den Hauptschulhof hatte der Eber nach dem Motto „Dumm fickt gut!“ ausgesucht und auf entsprechende Begegnungen gehofft.
Heute aber waren wir her gekommen, um das ausgebrannte Mofa vom Onschorek anzuschauen. Das war Samstag Nacht irgendwie explodiert, als der Eber und der Onschorek irgendwas mit Reifenspuren auf dem Schulhof veranstaltet hatten. Der Eber allerdings hatte nur kurz Freude an dem Wrack und war dann zu unserem üblichen Programm übergegangen.
„Ich glaube“, sagte der Eber jetzt, „es wären schon eher zwei Eimer, so mit dreizehn, vierzehn war ich voll der Wichsfrosch.“
„Tja ja“, sagte ich, „ein hartes Alter für junge potente Männer.“
Da lachte der Eber.
„Sag mal, Oeser“, sagte der Eber und grinste noch breiter als sonst, „läuft da was zwischen dir und der kleinen Schwester vom Eiger?“
Ich schwieg. Die kleine Schwester vom Eiger war Onny.
„Oder was war das am Samstag auf der Party?“
Ich schwieg.
„Und heute Morgen in der Großen Pause?“
Oh ja. Die große Pause. Das war vielleicht ein Mist gewesen. Onny war zu mir gekommen.
„Jetzt sag doch mal, was ist dir passiert?“, hatte sie wissen wollen.
Ich hatte nicht damit herausgerückt. Ich konnte ihr doch nicht auf dem Schulhof sagen, dass ich wollte, dass sie meine Freundin wird. Und die anderen gucken alle zu, oder was? Aber aus der Geschichte gab es kein Entkommen. Ich hatte damit angefangen und ich würde es mir nicht verzeihen, wenn ich es nicht wenigstens probiert hätte. Aber auf keinen Fall auf dem Schulhof. Und ich würde dem Eber sicher nicht verraten, dass ich morgen nach Erdkunde mit Onny verabredet war.
„Sag doch mal“, bohrte der Eber weiter, „läuft …“
Er wurde unterbrochen.
Eine kleine Gruppe kam lärmend aus Richtung der Sporthalle.
„Das ist der Onoschorek und der kleine Eiger mit zwei Weibern“, sagte der Eber und freute sich wahrscheinlich darauf, die beiden gleich mal ein bisschen zu demütigen.
Die Gruppe steuerte uns tatsächlich an.
„He, Eber“, rief der kleine Eiger schon weitem. Der Eber rührte sich nicht.
„Was macht ihr den hier?“, fragte der Eiger, als sie bei uns angekommen waren. Aber noch bevor einer von uns antworten konnte, krähte eine der beiden Mädchen, ob wir eine Zigarette hätten.
Der Eber schüttelte den Kopf. Da schaute sie zu mir.
„Tut mir leid“, sagte ich und schüttelte auch den Kopf.
„Was seid ihr denn für Typen, wieso raucht ihr nicht?“, fragte das Mädchen. Irgendwie kam die mir bekannt vor. Ich kannte sie.
„Du hast gesagt, dass die Zigaretten haben“, sagte das Mädchen ziemlich angenervt zum kleinen Eiger.
„Was weiß denn ich“, antwortete der eingeschüchtert.
„Nicht viel, wie es aussieht“, versetzte ihm das Mädchen einen rhetorischen Schlag, mit dem er nicht gerechnet zu haben schien.
„Pass auf, was du sagst“, blaffte er.
„Sonst was?“, lächelte das Mädchen, das bedeutend größer war, als der kleine Eiger.
Da griff der Eber ein.
„Der Eiger legt sich mit den Weibern an“, röhrte er und hatte endlich seine Demütigung für den kleinen Eiger.
Da lachten alle Jungs, auch der Eiger. In dem Lachen ging völlig unter, dass das Mädchen den Eber anging: „Nenn mich nicht Weib, du Bauer!“
Der Eber wandte sich an den Onschorek.
„Scheiße, oder?“ Er deutete mit dem Kopf aus das Mofawrack.
„Scheiße allerdings“, antwortete der Onschorek niedergeschlagen.
„He, komm, geh mr Stadt“, sagte das Mädchen, „das sind doch Langweiler.“
Sie drehte sich grußlos um und ging. Das andere Mädchen folgte ihr.
Der Onschorek, sagte zum Eber: „Also!“
Der Eber nickte.
Dann folgte der Onoschrek den Mädchen.
Der kleine Eiger schaute zu mir.
„Und?“, sagte er und grinste, „kommst du morgen wieder zur Onny?“
Ich fühlte einen so tiefen Schrecken, dass er mir in den Magen stach.
„Mal sehen“, sagte ich lässig, „kann sein, weiß noch nicht so richtig.“
„Der kommt immer, wenn ich nicht da bin“, sagte er zum Eber und schüttelte die Hand, als habe er sie sich verbrannt.
„Dann bis morgen“, sagte der kleine Eiger hämisch und rannte den anderen hinterher.
Als ich zum Eber schaute, grinste der. Sehr breit. Er wusste Bescheid. Scheiße.
„Oeser, Oeser“, singsangte er, „du überrascht mich manchmal echt.“
Ich grinste. Das sollte cool sein. Aber ich hätte einen Spiegel gebraucht, um herauszufinden, ob es so war.
„Eigentlich hab ich gedacht, du bist nur der größte Wichser der Welt“, lachte er, „aber dann verheimlichst du mir diese Siebtklässlerin, krass, Oeser, echt krass!“
„Nein“, sagte ich.
„Was nein?“, fragte der Eber.
„Der größte Wichser der Welt bist du, ich meine: anderthalb Eimer.“
Da röhrte der Eber. Endlich hatte ich mal das letzte Wort.
Ich beschloss, morgen lieber nicht zu Onny zu gehen. Der Eber wusste Bescheid.

Wir schwiegen eine Weile.
Dann sagte der Eber „War, Oeser, war!“

Ich brauchte eine Weile, bis ich verstand, was er meinte.

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Homeoffice, Day One

Homeoffice! Das hatte ich mir ganz wunderbar vorgestellt. Ich würde da an meinem Schreibtisch sitzen wie so ein junger Startup-Unternehmer und mal hier chatten, mal da chatten, Materialien verteilen. Alles ganz locker. Alles voll modern. Im Internet hatten sie geschrieben, dass die Coronakrise jetzt dafür sorgen werde, dass die Schulen sich von selber digitalisieren. Wer braucht schon Kolleg*innen, die halten einen doch bloß vom Arbeiten ab. Aber das Beste: Ich würde keine Unterrichtsstörungen bändigen müssen!
Jetzt sitze ich seit heute Morgen, so gegen 8 Uhr an meinem Computer. Und ich hasse Moodle. Wieso wird der Kurs für die 8c sichtbar, nicht aber der für die 7a? Und wo zu Hölle ist dieses Dingens mit der Kursverwaltung? Vielleicht hätte ich damit vorher mal beschäftigen sollen. Aber das Schlimmste ist, dass die ganzen jungen Kollegen voll die coolen Kurse bauen. Die sind Le Corbusier, ich bin der Typ mit der Obi-Gartenlaube.
Und was ich auch nicht bedacht habe: Meine Kinder müssen ja auch Homeoffice machen! Aber wir haben nur zwei Computer. Und ich brauche meinen. Und unser Drucker ist kaputt. Und jetzt stehen wir da. Und erst jetzt fällt mir auf: Wie mag das wohl bei den Schüler*innen zu Hause aussehen? Ich muss mich ablenken. Wie wäre es mit einkaufen?
Ich tapse durch den Supermarkt. Die Klopapierregale sind leer. Die Nudelregale auch. Desinfektionsmittel ist alle. Und an der Metzgereitheke gibt es keine Wust und kein Fleisch mehr. Die teuren Nudeln sind auch alle weg. Damit ich nicht so schnell ins Homeoffice zurück muss, fange ich ein Gespräch mit der Markleiterin an. Die erzählt mir, dass sie am Vortag neue Ware bekommen hätten, und schon jetzt seien manche Sachen komplett ausverkauft. „Wir haben echt Lieferschwierigkeiten“, sagte sie. Aber Kinderschokolade war aber noch massenhaft da. Und Osterhasen auch. Ich kauft mir zwei Kinderriegel. Auf dem Parkplatz sehe ich einen jungen Mann tonnenweise Nudeln und Klopapier einladen. Sein Auto ist getunt und auf dem Heckspoiler ist ein dem Atomkraft? Nein-Danke!-Aufkleber nachempfundener Kleber angebracht: „Ökofaschismus? Nein Danke!“ Bildung ist so wichtig, denke ich.
Zu Hause gucken sie Logo. Es geht um den Coronavirus. Ich wische meine Kinderriegel mit Desinfektionsmittel ab.
An meinem Computer blinkt eine Nachricht vom Moodleadministrator. Ich schalte meine Kurse frei. Jetzt sehen die Schüler*innen, was ich ihnen so ins Netz gestellt habe. Immerhin. Aber kein Homeoffice ersetzt die Unterrichtssituation. Ich will wieder in die Schule! Mit Schülern und allem!

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„Don’t Mention Love“

Freitag, 10. März 1989

„Wer war denn die eine, mit der der Eber dauernd rumgemacht hat“, wollte Onny wissen. Onny mit ihrer Samtpapierstimme. Nicht Sandpapier. Samtpapier. Das passte.
„Das war die Yps“, erklärte ich mit meiner Werner-Enke-Stimme.
„Yps?“, stutzte Onny, „was ist das denn für ein Name?“
„Keine Ahnung, so heißt die halt“, antwortete ich.
Ich hatte keine Lust über die Yps zu reden. Null.
„Als wir auf DDR-Fahrt waren“, erzählte ich deshalb, „saß die im Bus vor mir, die derart gefurzt, das war kaum auszuhalten.“
„Oh“, staunte Onny, „aber die ist doch voll hübsch.“ Diese Stimme. Das war ganz wundervoll.
„Das“, wechselte ich jetzt in meinen HaJo-Friedrichs-Modus, „sieht man anders, wenn man im Bus hinter ihr gesessen hat.“
Onny lachte. Das war schön.
„Es war die Hölle!“, übertrieb ich deshalb, damit sie nochmal lachte, was sie auch tat.
Gleichzeitig aber zog sie die Schultern hoch und ihre Jacke zusammen.
„Kalt?“, fragte ich.
Sie nickte und schaute mir mit zusammen gekniffenen Lippen direkt in die Augen. Das blendete.
Und da wusste ich plötzlich, was jetzt passieren musste! Kollektivwärme!
„Wir könnten ein Wärmekollektiv bilden“, sagte ich ganz, ganz sachlich.
„Hä?“ Sie schaute mich verständnislos an.
„Als wir in der DDR waren, ist im Bus die Heizung kaputt gegangen, da haben wir uns alle ganz, ganz eng zusammengesetzt, um uns mit unserer Körperwärme auszuhelfen, 37 Grad und so.“
Onny guckte immer noch komisch. Und da fiel mir wieder ein, was ich zu Atja gesagt hatte, als ich mit ihr im Bus ein Wärmekollektiv gebildet hatte. Es war ein Satz aus dem Film „Das große Rennen rund um die Erde“ oder so.
„Ein Eskimo unterm Fell erfriert, zwei Eskimos überleben, weil sie sich gegenseitig wärmen.“
„Ach so!“, sagte Onny ein bisschen beschämt und ohne mich anzuschauen.
So, dachte ich. Jetzt muss es sein. Jetzt. Jetzt. Jetzt.
„Das geht so“, sagte ich wieder im Enke-Modus und legte meinen Arm um sie. Ich wusste ja seit der DDR wie das funktionierte. Aber Onny war eine engagiertere Wärmekollektivgenossin als Atja. Sie legte sofort ihren Arm um mich und drückte sich an mich. Zuerst holperten wir etwas beim Gehen, aber mit ein wenig Gehopse kamen in den Gleichschritt und da ging es dann.
„Besser“, fragte ich.
„Viel besser“, antwortete sie benommen.

Es war Freitag, der 10. März 1989. Wir waren auf dem Heimweg von Schimmelpfennigs Party. Onny war in der Siebten Klasse, ich in der Zehnten. Ich hatte sie eingeladen, mit mir hinzugehen. Und zwar mit der Absicht, das jetzt mal zu klären, ob das was mit uns werden würde. Nicht, dass diese Frage offiziell im Raum stand. Das nicht. Aber irgendwie war mir so. Mein Leben. Ich war in der 10. Klasse. Es musste sich irgendwie weiter entwickeln. Es musste was passieren. Was Gutes.

„Gute Sache so ein Wärmekollektiv, oder?“, sagte ich, als wir in Onnys Straße einbogen. „Ja“, hauchte sie, „gar nicht mehr so kalt.“
Ich spürte allerdings auch, dass meine Anspannung wuchs. Jetzt. Jetzt. Jetzt. Dachte ich. Stattdessen stolperte ich vor der Haustüre ihres Wohnblocks, als wäre ich Benny Hill oder Charlie Chaplin. Werner Enke wäre das nicht passiert.
„Dass dir sowas passiert, hätte ich jetzt nicht gedacht“, kicherte Onny.
„Wieso das denn, Menschen stolpern, Schwerkraft, alles“, sagte ich lässig, als wäre mir das total egal. Aber ich glüte vor Peinlichkeit.
„Du bist immer so cool“, sagte sie, „da passiert einem sowas nicht.“
„Du glaubst gar nicht, was mir sonst noch alles passiert.“
Jetzt hatte ich einen Plan. Da war er. Ganz plötzlich.
„Was denn?“ Onny war neugierig. Die Art von Neugierde, die bereits zu 99 Prozent weiß, worum es geht.
„Mir ist wirklich was passiert“, sagte ich, „hätte ich nicht gedacht, dass gerade mir sowas passiert.“
Gut, dachte ich, das ist jetzt schon ein bisschen arg Clowns & Helden, aber vielleicht kennt sie das ja nicht. (Ausgerechnet mit muss das passieren / Es ist 1986 und ich Trottelgesicht hab mich verliebt, sprach der Sänger von Clowns & Helden in meinem Kopf)


Onny löste sich widerwillig von mir und klingelte.
Dann standen wir in diesem merkwürdigen 50er Jahre Treppenhaus. Onny war eine Stufe hinauf gestiegen. Sie war jetzt genau so groß wie ich. Und ziemlich nah. Sie strahlte mich an. Ich konnte nicht hinschauen, das tat fast ein bisschen weh.
„Jetzt sag halt, was ist dir passiert?“, hauchte sie.
„Conny, bist du das“, rief ihre Mutter. Onny wohnte ziemlich weit oben.
„Ja, ich komm gleich“, rief Onny und wandte nicht den Blick von mir ab.
Sie schaute.
„Was ist dir passiert, jetzt sag!“
Ich schüttelte den Kopf.
„Ist zu kompliziert“, sagte ich, „hätte ich echt nicht gedacht.“
Onnys Mutter rief.
Say the word, and you‘ll be free, sangen die Beatles in meinem Kopf. Have you heard the word is love? Ich drehte die Beatles leiser in meinem Kopf. Stattdessen sangen jetzt die Smiths. „Don’t mention love!“ Liebe! Viel zu groß! Viel zu allgemein! Was ist Liebe? Kitschiger Quatsch!
Und jetzt kam sogar noch Falco aus den Tiefen meines Gedächtnisses und sage: „Und wieder fällt mir ein, Liebe macht Herz tot!“
„Kann ich Dienstag wieder zu dir kommen“, fragte ich, „dann erzähl ich es dir, okay?“
Onnys Mutter rief sehr nachdrücklich.
„Okay“, sagte Onny und strahlte weiter.
Onnys Mutter rief irgendwas von „jetzt aber zum letzten Mal“, oder so. Da rannte sie los. „Die Party war voll schön“, rief sie von oben, „ich freu mich auf Dienstag!“
Dann hörte ich wie Onnys Mutter irgendwas Verärgertes sagte und die Haustüre schloss.
Da stand ich. Mit meiner Campino-Frisur und meinen Sechzigerjahre-Klamotten. Nix mit „Say the word“. Peinlich eigentlich. Aber was sollte man sagen? Willst du mit mir gehen? War ich ein blöder Zwölfjähriger? Oder: Ich liebe dich? Das war doch hier nicht Praxis Bülowbogen oder Forsthaus Falkenau! Ich war der desillusionierte Werner Enke des Sechzigerjahre angehauchten Punk, fand ich zumindest. Da war das alles nicht so einfach. Außerdem würde es doch nur wieder weh tun.

Dann machte ich mich auf den Rückweg zu Schimmelpfennigs Party. Ich zitterte. Aber nicht wegen der Kälte. Der Stadtgarten war zwar ein Umweg, aber genau dort wollte ich jetzt hin. Denn dort funktionierte nur eine einzige Straßenlaterne. Ein bisschen unheimlich war es dort. Aber ich musste jetzt mal kurz nachdenken. Bis das Zittern aufhörte.
„Don’t mention love“, sangen die Smiths in mir, „I hate the pain of the strain all over again.” Das war das Problem. Seit ich mit meinem komplett orientierungslosen und größenwahnsinnigen Gordana-Unternehmen gescheitert war, hatte ich standig pain all over the strain again. Ich wusste nicht so recht, ob so viele Gefühle gut für mich waren. Gordana! Das war zwei Jahre her. Seither hatte ich permanent daran gearbeitet keine Gefühle zu haben. Oder sie zumindest nicht zu zeigen. „Egal“ war mein Mantra geworden. Mantra, dachte ich, bei George Harrison gelernt. Wozu die Beatles so gut sind. Wahnsinn.
Ich schrieb Tagebuch. Und als ich meine ultrapeinlichen, weinerlichen Einträge über Ordana nochmals gelesen hatte, beschloss ich, dass sich mein Stil ändern müsse. Ab jetzt schrieb ich nicht mehr aus der Perspektive meines weinerlichen kleinen Ichs. Ich schrieb so, wie ich fand, dass ich die Dinge eigentlich sehen sollte. Ich schrieb, als wäre ich Werner Enke oder jemand aus einem Song der Ärzte. Und es war erstaunlich wie das meine Einstellung zur Welt und auch zu mir selber änderte. Ich war cool! Ich hatte keine Gefühle, weil mir alles scheißegal war. So war es. Es stand ja in meinem Tagebuch.
In der DDR hatte ich mir in Dresden in der Buchhandlung Max Frischs Tagebuch 1946 bis 49 gekauft. Wir hatten bei Herrn Ludwig in Deutsch Andorra gelesen. Und mich hatte der Eintrag „Du sollst dir kein Bildnis machen“ extrem gefesselt. Frisch, erinnerte ich mich jetzt, schrieb da, man solle sich kein Bildnis machen. Nicht von den Menschen und nicht von sich selber, denn das sperre die Menschen in dieses Bild ein. Und mir dämmerte gerade, dass ich mich in mein eigenes Bild von mir selber eingesperrt hatte. Mit den vielen Gefühlen war ich mir immer so schwach vorgekommen. Und dieses Scheißegal-Ding machte mich stark. Und meine Freunde hatten es voll und ganz akzeptiert, dass mir alles scheißegal war. Sie sahen mich jetzt so. Sogar mein Vater hatte neulich zu mir gesagt, dass mir doch eh alles egal sei. Da war ich richtig stolz gewesen. Und Onny gefiel das ja auch anscheinend. Aber jetzt merkte ich, dass mich dieses Selbst-Bild, das mir die anderen auch zurückspiegelten, so nannte der Frisch das, mir den Zugang zum Thema Freundin vermauert hatte. Ausgerechnet mir muss das passieren, dachte ich. Es ist 1989 und ich Trottelgesicht hab keinen Zugang zu meinen Gefühlen. Igitt, dachte ich automatisch, Gefühle, igitt, das böse Wort. Ich sollte mit dem Ruch reden. Er war mein Freund. Ich sollte es ihm erzählen. Aber dann würde er nur wieder sagen, dass ich mir zuviele Gedanken mache und …
Das Aufheulen eines in der Ferne beschleunigenden Motorrades riss mich aus meinen immer merkwürdiger werdenden Gedanken. Diese Arschgeigen, dachte ich, fahren wie die Wahnsinnigen.
Lieber mal überlegen, was ich dem Bruch sage, wenn ich wieder zur Party komme. Nicht, dass der denkt.

Der Eber pfriemelte immer noch an der Yps herum, als ich durch die Terrassentür in Schimmelpfennigs Haus zurückkam.
„Ah“, da ist er ja, „rief der Bruch und grinste irgendwie komisch, „je t’aime, l’amour, amore, amore!“, rief er.
„Jajaja“, antwortete ich mit meiner Werner-Enke-Stimme, „der alte Schwung is hin! Weg! Total verbollert!“
Der Ruch guckte wie Onny vorhin, als ich über Kollektivwärme gesprochen hatte. In einer Ecke klebten der Ucher und Orinna aneinander. Orinna grinste sphinxenhaft zu uns herüber. Es lief irgendwas von Eierstock und Wassermann.
„Vorsicht mit der Bowle“, sagte der Ruch, „die Bowle ist echt Bombe.“
Er schwenkte vor meinen Augen ein Alfred-J.-Kwak Glas, in dem in einer sektfarbenen Flüssigkeit irgendein Glibber herumschwamm.
„Igitt“, sagte ich, „was ist das?“
„Bowle“, sagte der Ruch, „die ist echt Bombe.“
„Aha, Bombe?“, sagte ich.
„Ja“, rief der Ruch und nahm einen Schluck, „das Schlimme ist nicht der Sekt und der Schnaps und so, das Schlimme sind die Fruchtstücke, die sich mit Alkohol vollgesogen haben, die sind Bombe.“
Was war hier vor sich gegangen, als ich Onny nach Hause gebracht hatte? Ich hatte den Eindruck, dass der Ruch eventuell bereits ein paar Bomben intus hatte.
„Kommt mir komisch vor“, rief ich ihm zu.
„Komm wir holen dir auch ein Glas, dann geht es besser“, sagte er und schob sich mit dem Rücken an der Wand hoch. Dann zog er mich hinter sich her.
Rno stand bei der ziemlich großen Bowleschale. Die Flüssigkeit war jetzt aber eher rosa.
„Die Bowle ist echt Bombe“, sagte Rno, „die haben da noch Eckes Edelkirsch rein geschüttet.“
„Aha“, sagte ich, „dann ist es ja gut.“
„Die Bowle ist Bombe, oder Rno?“, sagte der Ruch. Die beiden stießen an.
„Der Ens braucht jetzt auch mal eine Bowle“, sagte der Rno, „mit vielen Fruchtstücken.“
Der Eber taumelte mit der Yps im Arm vorbei.
„Vorsicht Jungs“, sagte die Yps mit ihrer Prinzessin-Stefanie-Stimme, „die Bowle ist Bombe!“
Der Eber röhrte ein bisschen und zerrte die Yps weg von uns.
Ich musste an ihre Fürze denken. Unglaublich, dass so jemand so furzt.
„Kein Glas mehr“, sagte der Rno und deutete auf den Tisch, auf dem lauter halbvolle oder benutzte leere Gläser standen.
„Scheiße“, rief der Ruch.
„Nimm das“, sagte der Rno und hielt mir den Schöpflöffel hin.
„Vergiss es, das ist je ekelhaft.“ Ich schob den Löffel weg und nahm ein Beck‘s aus der Kiste unter dem Bowletisch.
Dann setzten wir uns wieder hin.
„Und“, sagte der Ruch, „amore, amore?“
„Hör doch auf“, herrschte ich ihn an. Er grinste nur.
Er sang ein bisschen bei „Good Life“ mit und saugte sich die Fruchtstücke seiner Bowle in den Mund.
„Geht da was?“, fragte er dann und grinste mich glasig an.
Ich schwieg eine Weile. Dann gab ich mir einen Ruck. Ich hatte mir ja vorgenommen, mit ihm darüber zu reden.
„Keine Ahnung“, sagte ich und schaute den anderen beim Tanzen zu, „ich hab wirklich keine Ahnung wie das weiter gehen soll. Ich habe mich auf Dienstag mit ihr verabredet und ich glaube, dann muss ich irgendwie mal sagen, was Sache ist. Aber das ist alles so bescheuert. Ich kann doch nicht sagen „Ich liebe dich!“. Sowas sage ich nicht. Ich meine“, ich nahm einen Schluck Beck’s, „was ist Liebe? Liebe? Herzchen, Amore, das ist doch scheiße, das gibt es doch in Wirklichkeit gar nicht. Oder „verliebt“? Ich bin nicht verliebt. Ich mag sie, sie lacht, sie ist irgendwie schön, ich kann mit ihr reden und so. Das ist doch okay, oder? Aber was ist, wenn ich mich getäuscht habe? Was ist, wenn ich es irgendwie hinkriege, ihr mitzuteilen, dass ich gern mit ihr gehen würde … „mit ihr gehen“! Das ist doch auch so ein Scheiß, da kann ich ja gleich so einen Ankreuzzettel schreiben … also, was ist, wenn sie dann sagt: Gute Freunde ja, aber nicht Freundin. Ich schaffe das nicht. Das ist so schlimm. Und bald sind Prüfungen und ich … ich könnte mich dann nicht konzentrieren und ich brauche eine 3 in Englisch wegen dem Wirtschaftsgymnasium … verstehst du?“
Ich schaute zum Ruch. Er schlief mit offenem Mund und hatte sich die Restbowle über die Oberschenkel geschüttet. Auf dem Boden lag eine leuchtend rote Cocktailkirsche. Ich stieß ihn an.
„He, verstehst du“, schimpfte ich.
Er machte die Augen auf und grinste. Er hob sein leeres Alfred-J-Kwak-Glas, stieß es an mein Beck’s und schrie: „Warum bin so fröhlich, so fröhlich, so fröhlich so unwahrscheinlich fröhlich, so fröhlich war ich nie.“
Ich musste lachen. Irgendwie ist dann doch alles scheißegal und der Ruck, der weiß das.
„Danke“, sagte ich, den Patienten eines Psychologen nachmachend, „sie haben mir sehr geholfen.“
Da verstummte die Musik. Rno fummelte an der Kompaktanlage herum. Er hatte unseren Deprisampler dabei. Depeche Mode, The Cure, The Smiths, Philip Boa und so. Und dann kam es aus den Boxen.
„I am the ghost of Troubled Joe
Hung by his pretty white neck
Some eighteen months ago
I travelled to a mystical time zone
And I missed my bed
And I soon came home
They said „There’s too much caffeine
In your bloodstream
And a lack of real spice in your life“

Rno, Ruch und ich tanzten. Und ich sang laut mit:

“I said „Leave me alone
Because I’m alright, dad
Surprised to still be on my own“
Oh, but don’t mention love
I’d hate the strain of the pain again
A rush and a push and the land that
We stand on is ours
It has been before
So it shall be again“

Der Dienstag. Das war ja noch eine Ewigkeit hin.

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