ACH in Augsburg, Tag 3: Robusta

Anfred, Laus und Ichael diskutieren beim Frühstück bei Henrys über die Unterschiede zwischen Arabica und Robusta. Ich höre nicht zu. Mir fällt aber auf, dass ich nicht ganz so robusta bin, wie ich gedacht habe. Entweder war das letzte Tilmans im Drunken Monkey verdorben, oder es war eines zu viel. Mir ist jedenfalls ordentlich schummrig.
Unsere erste Kultur-Station ist der Augsburger Dom. Ein riesiges Ding. Richtig heißt der Dom „Hohe Domkirche Mariä Heimsuchung“. Die dazu gehörige Dompfarrei dagegen nennt sich „Zum heiligsten Herzen Jesu“. Nicht nur „heilig“, nein „heiligsten“. Die „Heimsuchung“ bezieht sich hier auf den Besuch Marias bei Elisabeth, um mit ihr die Freude über ihre Schwangerschaft zu teilen. Das mit dem „Herz Jesu“ ist ein bisschen morbid, weil es da ja darum geht, dass die heiligen Sakramente aus dem durchbohrten Herz Jesu heraus strömen. Das Herz steht dabei als Metapher für die Liebe Jesu. Morbid ist es auch in der Kirche. Alles voller Gräber von Bischöfen und Domkapitularen. Wände und Boden. Überall Grabsteine. Aber auch schön, irgendwie. Anfred und ich können uns da gut über unsere verstrobene Verwandtschaft austauschen. Das passte ja irgendwie. Langsam wurde ich wieder robusta.
Nicht weit weg vom Dom ist das „Fugger und Welser Museum„. Da wollten wir eigentlich hin, als wir über den Dom gestolpert sind. Das Museum ist total modern. Man kriegt ein kleines Säckchen. Drin in dem Säckchen ist irgendwelcher digitaler Krimskrams. Jedenfalls muss man damit in der Ausstellung das Säckchenfeld berühren und kriegt dann allerhand mehrdimensionale Information. Man kann sogar Fugger und Welser beim Luther-Diss (Luther = Der Doktor aller Doktoren) zuhören und zuschauen. Stark! Und wie auf Hogwards gibt es sprechende Gemälde. Rundum gelungene Sache. Trägt außerordentlich zu meiner Robusta bei.
Sehr mitreißend ist der Tatsachenbericht eines fuggerschen Handlungsreisenden und wem er dort so alles begegnet ist (siehe Bild).

Stark auch, dass alle fuggerschen Bergleute ein Arschleder getragen haben, damit selbiger nicht nass wird.
Dann gibt es ziemlich trockene Pizza für mich und Laus, sowie teure, aber gute Bandnudeln für Ichael. Anfred isst Fisch. Denn heute ist der Tag der internationalen Küche bei unserem Augsburgbesuch. Satt sind wir dann trotzdem.
Auf dem Rückweg zur Innenstadt passieren wir das Regierungspräsidium. Das erinnert mich daran, dass Augsburg in Schwaben liegt. Wie jeder weiß. Jeder. Seit neustem.
Es regnet. Wir gehen zur Lutherstiege. Luther hat nicht nur den Fucker gedisst, sondern auch in Augsburg gewohnt. Die Lutherstiege gehört zur evangelischen Kirche St. Anna im Zentrum von Augsburg. Während Luther in Augsburg wegen seiner 95 Thesen von Kardianal Cajetan gebasht und gedisst wurde, wohnte er im Karmeliterkloster St. Anna. Dort ging er wohl das eine oder andere Mal über die Treppen, die heute zum Museum führen und die jetzt Lutherstiege heißen.
Das Museum ist klein, aber sehr lebendig. Man kann dem Streit zwischen Luther und Cajetan zurhören. Und man wird von Bandstimmen als Sünder begrüßt: Du bist ein Sünder, flüstert es.
Man lernt auch ein bisschen etwas über Flüchtlinge und Willkommenskultur. Im Jahr 1731 mussten etwa 20000 Protestanten das Erzbistum Salzburg verlassen. Viele von ihnen gingen nach Preußen. Manche nahmen ihren Weg über Augsburg. Sie wurden von St. Anna, aber auch vom Bürgermeister persönlich umhegt und umsorgt. Schöne Geschichte.
Schon im Dunkeln gehen wir zurück ins Hostel. Wir sind Mitte Vierzig. Wir müssen uns ausruhen. Die Nachwirkungen der vergangenen Nacht sind verflogen, bis auf den Schlafmangel. Laus verbringt seine Zeit mit Recherche. Er hört Bass Sultan Hengst.

„Das ist doch der Untergang der Gesellschaft“, versucht er empört das Schnarchen von Ichael und Anfred zu übertönen. Ich jedenfalls stimme ihm zu. Jaja. Untergang. Genau. Schlimm.
Da ja Tag der internationalen Küche ist, geht es Abends ins Taj Mahal. Sehr schön dort. Sehr gutes Essen. Und die Beilagen sind sogar nach der Straßenverkehrsordnung sortiert. Das nenne ich Intergration!

Im Elfer ist schon zu. Darum schlendern wir zum Le Coq. Dort ist alles voller junger Menschen. Anfred wird zum Alterspräsident erklärt. Ich übernehme die Stellvertretung, wenn er zur Sanitären Anlage muss. In unserem Alter geschieht das ja öfters. Laus berät mich schulrechtlich. Das ist stark. Und informativ. Gut, wenn man jemanden kennt, der sich auskennt. Ichael leidet unter der lauten Schwumpf-Musik im Le Coq. Darum wechseln wir zum Drunken Monkey. Hier tauschen wir uns darüber aus, was unsere Kinder so lesen. Magische Tiere, Harry Potter und Thabo. Aber auch Conny mit der Schleife im Haar. Stark.
Zum Abschluss kauft Laus sich noch ein Eviltwin Falco Bier. Hat nichts mit dem Österreichischen Rapper zu tun. Sieht aber schön aus und hat 7% Alkohol. Wird interessant beim Trinken, stelle ich mir vor.
Im Hostel hocken die Raucher im Raucherraum, trinken uninteressantes Bier und gucken Olympia. Wohl dem, der sein Glück findet! Robusta People Come on!

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Über Ens Oeser

Ens Oeser ist zusammen mit Laus Itzigmann und Ennis Eineck die Band ACH. Das allen Äußerungen der Band zugrunde liegende Konzept ist "Hobbypop".
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4 Antworten zu ACH in Augsburg, Tag 3: Robusta

  1. kat. schreibt:

    Sehr schön. Ja,Augsburg liegt im Regierungsbezirk Schwaben. Aber wem nützt das was? 👯

      • kat. schreibt:

        Hm… Zur Identifikation? Es gibt ja noch nicht mal einen schwäbischen Präsidenten. Oder König….

      • Ens Oeser schreibt:

        Auch wieder wahr. Zumindest keinen bayrisch-schwäbischen. Aber diese mittelalterliche Benennung der Landesbezirke ist natürlich immer ein bisschen schwierig. Aber vielleicht sollten wir es positiv sehen: Die Firma, die den Briefkasten gemacht hat, die hatte was davon. Und ich auch, weil ich mir Smalltalkwissen erworben habe.

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