ACH in Weimar – Tag 1: „Bin ich noch geil?“

wp_20170303_17_50_46_proMan fühlt sich extrem kulturell, wenn man nach Weimar aufbricht. Also ich jedenfalls. Ich frage Ennis, Laus, Anfred und Ichael, was sie sich von unserer Reise erwarten.
Ichael: „Ich hoffe, dass wir was essen. Und auch trinken. Und noch nett miteinander reden.“
Ennis: „Ich war noch nie in Weimar. Mich interesseiert der kulturelle Aspekt. Weimarer Klassik. Und so. Ansonsten ist die Kulisse egal. Hauptsache man trifft sich.“
Anfred: „Oberste Priorität hat der kulturelle Input. Dann kommt der wichtige Input an Gesprächen mit euch. Und alten Geschichten. Und immer wieder die alten Lieder.“
Ich frage auch Laus. Der ist aber irgendwie abwesend. Es liegt an seinem Handy.
Laus: „Was war die Frage? Ah so, ja: Ich möchte Antworten finden auf die Frage, die alle Männer in den Vierzigern umtreibt.“
Ich denke, dass es jetzt weitergehen sollte. Tut es aber nicht. Laus schweigt. Aber Gott sei Dank. Ichael greift ein.
Ichael: „Welche Frage ist das? Bin ich noch geil?“
Anfred: „Und hast du bis jetzt Antwort bekommen?“
Laus: „Ich frage mich halt in welcher Phase der Midlifekrise ihr so steckt?“
Ichael: „Also ich bin noch Jugendlicher.“
Gemeinsames geräuschvolles einatmen.
Laus: „Pffff.“
Ennis: „Als Sozialkonstruktivist kann ich dazu nur sagen, man ist so alt wie man sich fühlt.“
Das, denke ich, ist eine Weisheit, mit der man nie falsch liegen kann. Dieser Spruch kam, glaube ich, auch beim Billigchinesen aus meinem letzten Glückskeks. Billigchinesen sind also Sozialkonstruktivisten?
Anfred: „Woran merkt man eigentlich, dass man erwachsen ist?“
Längere stille. Man sollte seine Freunde auch nicht überfordern, finde ich. Da muss man aufpassen. Ichael wagt sich aus der Deckung.
Ichael: „Ich hab keine Ahnung. Als Außenstehender kann ich dazu nichts sagen. Vielleicht vertritt man auf einmal Verhaltensnormen, an die man sich selber nicht hält. So, man sagt zu Kindern „Wirf das nicht rum“, aber macht es selber.“
Anfred ist von diesen Gedanken eher unbeeindruckt und verpackt das in ein schlichtes: „Aha.“
Jetzt steigt auch Ennis ein:“ Ähhh, puhhhh. Hmmm…“
Anfred hat noch eine Idee: „Vielleicht merkt man es daran, dass man früher links war und jetzt der AfD nahe steht.“
„Das“, finde ich, „ist eher Verblödung!“
Ennis greift noch mal in bedächtigem Tonfall ein: „Keine Ahnung, in gewisser Weise ist man in vielfältiger Art und Weise gebunden und nicht mehr so frei….“
Ichael: „Genau. Ich bin nicht gebunden. Ich bin frei. Ich bin noch Jugendlicher.“
Ennis lässt sich nicht aus der Bahn werfen und fährt fort: „Das bringt Verantwortung mit sich und ein hohes Maß an Unfreiheit.“
Anfred meint müde: „Hoppla, denke ich manchmal, ich hab nicht nur Verantwortung für mich selber.“
Und dann sagt Laus plötzlich: „Ich Whatsappe gerade, was meine Frau heute Abend isst. Scampi und Lachs.“
Das interessiert Ennis: „Das magst du nicht, oder, das macht C. auch immer so, wenn ich weg bin, dann macht sie das, was ich nicht mag.“

Tja. So verrinnt die Zeit und wir füllen sie mit solchen und ähnlich sinnvollen Gesprächen. Inspiriert durch die kulturelle Weimarer Atmosphäre.

Hier noch der Versuch mit den anderen den gestrigen Tag zu rekonstruieren.
Anfred: „Wir sind irgendwie losgefahren.“ Er guckt böse zu Ichael: „Als irgendwann alle da waren.“
Ens: „Dann habt ihr mich abgeholt.“
Ichael: „Ens hat einen LKW gesehen. Da stand drauf: „An mir ist alles knusprig!“
Laus: „Nein, da war ein LKW mit einem Landwirt drauf, der Karotten in der Hand hatte und gesagt hat: Bei mir sind nicht nur die Karotten zum Anbeißen.“
Gemeinsames Kichern.
Anfred: „Es war ziemlich spektakulär.“
Ichael: „Ens fand den Specky-Burger bei Burgerking ekelig, ich fand ihn eigentlich ganz okay, oder Anfred!“
Anfred: „Es war ziemlich windig. Jedesmal, wenn wir auf eine Brück gefahren sind, hat man es deutlich gespürt.“
Ichael: „Wir waren uns nicht sicher wo die Grenze ist. Die DDR Grenze.“
Anfred: „Ich weiß auch nicht mehr die Raststätte mit dem Burgerking hieß.“
Ennis: „Im Bahnhof von Weimar ist McDonald. Sah sauber da aus. Der Zug aus Berlin braucht drei Stunden nach Weimar. Hat mich gewundert. Letztlich waren es zwei Stunden bis Naumburg, dann 20 Minuten Aufenthalt.“
Ichael: „McDonalds ist besser als Burgerking.“
Laus: „Nachmittags haben wir das Zimmer bezogen.“
Anfred: „Dann waren wir in der Touristinfo … dann im Stadtmuseum … Geschichte der Demokratie…“
Ens: „Das war sehr informativ.“
Ichael: „Ich musste Ens erklären, wie das mit dem Weimarer Reichsprädsidenten war.“
(Darauf, denke ich, braucht Ichael sich nichts einzubilden. Ich weiß auch viele tolle Sachen, die Ichael nicht weiß, die mir jetzt aber nicht einfallen. )
Laus: „Dann waren wir im Café am Frauentor und haben Pharisäer getrunken. Mit Rum drin.“
Ichael:“ Dann haben wir Ennis vom Bahnhof abgeholt.“
Anfred: „Nein. Erst haben wir Pizza gegessen…“
Ichael: „Stimmt mit Klasse 8a und 9a, die haben da ganz gesittet gegessen. Und da war ein lebender Papagei, der saß da ohne Käfig auf der Heizung. Die Pizzeria hieß Franceso oder Napoli oder so…“
Ichael hat Carpaccio gegessen: „Das ist rohes Fleisch mit Zitrone gegart, weißt du was das ist Ennis?“
Ennis: „Rohes Fleisch mit Zitrone gegart?“
Icheal: „Und dann haben wir Ennis abgeholt.“
Ens: „Dann waren wir im El Nino, diesem Mexikaner-Ding.“
Ennis: „Übersetzt: „Das Kind!“
Ichael: „Oder „Der Wind“.“
Laus: „Da haben wir fade Chips mit zu scharfer Soße gegessen. Und entsetzlich fades Corona-Bier getrunken.“
Ens: „Wir sollten eine Mauer bauen, damit die nicht mehr in unser Land kommen. Und zahlen sollen sie die selber.“
Ennis: „Ichael, es war ein guwp_20170303_001ter Tipp von dir mit der heißen Zitrone, der Caipi war so stark, da war so viel Rum drin, dann hab ich es irgendwann zusammen gekippt.“
Nach dem El Nino war es dann auch mal gut. Wir haben uns im Nahkauf an der Humboltstraße einen Sixpack Carlsberg gekauft und sind wieder in die Jugendhergberge am Poseckschen Garten zurück gekehrt.
Wir haben Bier getrunken und „Pisse“ von Schnipo Schranke gehört.
Laus erwähnt, dass es uns gelungen ist, dass wir Bierflaschen ohne Öffner öffnen konnten. Obwohl wir Luschen sind.

Ichael hat sich in Touristinfo übrigens Goethes Wasserglas gekauft. Hier nähere Infos:
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Über Ens Oeser

Ens Oeser ist zusammen mit Laus Itzigmann und Ennis Eineck die Band ACH. Das allen Äußerungen der Band zugrunde liegende Konzept ist "Hobbypop".
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