Personalmangel auf der Führungsebene

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Das Staatliche Schulamt.

Neulich wurde ich in das Staatliche Schulamt eingeladen. Ich saß im Flur herum und wartete. Da kam der Hausmeister unserer Schule aus einem der Büros heraus und wurde freundlich verabschiedet. Als er an mir vorbei ging, zwinkerte er mir verschwörerisch zu. Dann baten mich zwei freundliche Schulräte in ein Büro. Sie stellten mir Kaffee hin. Und sie legten einen Keks auf die Untertasse. Ich hatte keine Ahnung, was sie von mir wollten.
„Herr Oeser“, begann die Frau mit den Kunsthandwerkskleidern, „sie wissen, wir suchen einen Rektor, der die Sven-Regener-Gemeinschaftsschule übernimmt?“ Ich nickte. „Nun“, sagte der Mann mit der randlosen Brille, „wir wollten Ihnen dieses Amt anbieten.“
„Mir?“, fragte ich fassungslos. „Wieso das denn?“
„Wir halten sie für qualifiziert“, sagte die Frau und lächelte verkrampft.
„Mich?“, lachte ich auf.
„Ja“, sagte der Mann, „wir haben festgestellt, dass sie eine Musik-AG geleitet haben, nicht wahr?“
„Und sie waren als Stellvertreter in der Schulkonferenz“, legte die Frau nach.
Ich nickte und sagte lieber nicht, dass der Kollege, den ich hätte vertreten sollen, nie krank war.
„Und sie haben in der Mittagsbetreuung Aufsicht geführt, nicht wahr“, sagte der Mann freundlich. Ich sah ihnen an, dass sie sich entspannten. Denn ich hatte noch nicht „nein“ gesagt. Ich war noch nicht aufgestanden und gegangen.
„Und das sind jetzt meine Qualifikationen?“, fragte ich. Sie nickten lächelnd.
„Weil ich die Musik-AG geleitet habe?“ Sie nickten wieder.
Jetzt beugte sich die Frau vor und blätterte in einem Ordner. „Kommen sie schon, Herr Oeser“, sagte sie, „sie waren sogar in einer Steuergruppe!“
Mist, dachte ich, sie haben es herausgefunden. Was hatte mich damals bloß geritten?
„Und sie sind befreundet mit einem Realschulrektor in Karlsruhe“, legte der Mann noch einen drauf.
Dann schwiegen wir uns eine Weile an.
Schließlich durchbrach ich die Stille. „Angenommen, ich würde „ja“ sagen, was nicht heißt, dass ich „ja“ sagen werde, ich frage nur interessehalber: Kriegt man da mehr Geld?“
„Tja sehen Sie, Herr Oeser, da haben sie gleich den wunden Punkt erwischt, sie wissen ja, dass in den ersten Monaten der Beförderungsstopp gilt und dass…“
„Dann mache ich es nicht“, unterbrach ich den Mann.
„Bitte!“, sagte er kriecherisch. Ich schüttelte den Kopf.
„Bitte!“, kreischte die Frau wütend. Ich schüttelte den Kopf.
„BITTE!“, schrien sie gemeinsam. Ich schüttelte den Kopf.
Sie sanken hinter dem Schreibtisch zusammen. „Wir haben einen eklateten Personalmangel in der Führungsebene, wolle sie uns nicht helfen?“, fragte der Mann und schaute resigniert über seine Brille hinweg. Ich schüttelte den Kopf: „Nur gegen vernünftige Bezahlung“, sträubte ich mich weiter.
„Dann nehmen wir eben doch den Hausmeister“, sagte die Frau.
„Aber der ist Nichterfüller“, meinte der Mann.
„Egal“, antwortete die Frau resigniert, „der arbeitet schon länger im pädagogisch-technischen Bereich als der Herr Oeser, der weiß schon wie das geht!“
Ich stand auf und ging. Die beiden beachtete mich nicht mehr. Auf dem Parkplatz traf ich einen Kollegen.
„Haben sie dich auch gefragt, ob du Rektor von der Sven-Regener-GMS werden willst“, fragte der Kollege. Ich nickte. Mehr sagte ich nicht.

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Über Ens Oeser

Ens Oeser ist zusammen mit Laus Itzigmann und Ennis Eineck die Band ACH. Das allen Äußerungen der Band zugrunde liegende Konzept ist "Hobbypop".
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