ACH in Wien, Tag 4 und Abreise


Das P.Man hat alles, was das Herz eines Gangsta Rappers begehrt. Goldene Ketten, T-Shirts mit dumpfen Sprüchen und vor allem: Baseballcaps. Du brauchst Street Credibility? Dann bist du hier richtig, Alter. Und das absolute Schmuckstück im Angebot ist eine mit Perlen bestickte Mütze mit perlmutt-farbenem Kreuz. Starkes Statement.
Nun sind ACH ja eher so Gitarren-Pop-Zausel und brauchen so etwas nicht. Darum kaufen wir dort auch nichts. Nicht mal Ichael, der ja jetzt eher so Gangsta Rapper ist. Aber der findet, dass man sowas nicht in Österreich kauft, sondern in den Staaten.
Aber eigentlich hatten wir ja auch gar nicht zum Hip Hop Shop wollen. Wir hatten vor unseren bildungsbürgerlichen Distinktionsbestrebungen nachzugeben und mal so richtig ins Antiquariat zu gehen. Alte Bücher. Toll. Aber nix. Das Antiquariat gegenüber von P.Man hat nur Donnerstag, Freitag und Samstag geöffnet. Man will ja dann auch nicht nur so dastehen. Und dann geht man halt zum P.Man, auch wenn man da auffällt wie das Nashorn am Nordpol.

Nächste Station ist das Römermuseum. Meine Kinder brauchen Römersachen.
Dabei stolpern wir über einen Touristenauflauf vor der Ankeruhr. Die Ankeruhr führt Punkt zwölf Uhr einen mords Zinnober um die österreichische Geschichte auf. Deshalb schieben sich von Marc Aurel bis Hayden Blechfiguren von links nach rechts. Dazu dudelt die passende Orgelmusik. Die Japaner schwächeln ziemlich schnell ab. Aber wir: eisern. Bis zum Schluss.
Jetzt hat der an Religionen sehr interessierte Ichael den Wunsch, den jüdischen Stadttempel am Wiener Bermudaeck zu besichtigen. Die einzige nicht zerstörte Synagoge in Wien.
Aber auch hier scheitern wir. Warum? „Es ist ein Geheimnis“, meint Anfred im Nachhinein. Jedenfalls lässt uns der Türsteher, der nur Englisch spricht, nicht rein.
Und dann ist auch schon Mittag. Geschlagen setzen wir uns ins Bermuda und essen. Nachher erzählen uns die einheimischen Studenten, dass das eine Touristenfalle sei. Man könne das daran erkennen, dass dort auch das Hard Rock Cafe sei. Aber wir finden das Etablissement sehr authentisch.

Wir scheitern auch mit dem nächsten Programmpunkt. Das Kriminalitätsmuseum hat auch nur am Wochenende auf. Dann eben: Freud in der Berggasse.
Aber interessanter als Freud ist erstmal der Second Hand Laden gegenüber.
Das Freud-Museum kostet zehn Euro. Es hat einen tollen Shop. Über Freuds Lehren erfährt man nichts. Dafür kann man seinen Spazierstock angucken. Und seinen Hut. Ein paar Koffer stehen herum. Und es gibt alte Filme. Man sieht Freund im Garten und im Haus. Manchmal geht er, manchmal steht er. Rücksacke darf man in einem alten Schrank in Freuds Wohnung ablegen. Und da der Höhepunkt: Die Frau an der Kasse lacht über meinen Spaß, dass ich zu Hause erzählen werde, dass ich meinen Rucksack in Freuds Staubsaugerschrank abgelegt habe.

Und natürlich geht es ordentlich phallisch zu. So phallisch, dass man sogar davor warnen muss.
Laus schmökert auf der Couch in Freuds Werken und erfährt allerhand über Exkremente und Sexualität, was er bisher nicht gewusst hat.
Das diskutieren wir anschließend im Café Freud, gleich neben dem Freud-Museum. Da ist jetzt auch die Studentin dabei, die gleich mal einen straffen wissenschaftlichen Wind in unser laxes Geschwätz bringt. Freud war wichtig, sagt sie, ist aber überholt. Wir nicken. Genau. Wollten wir auch gerade sagen.
Am Abend: Afghanisches Essen. Restaurant sieht aus wie ein kolonialer Wüstentempel. Man sitzt im Sofa bei sandfarbener Beleuchtung und isst Reis und Gemüse mit Fleisch. Immerhin: Die Bedienung trägt einen Tocotronic-Jogginganzug.

Anschließend im Anno. Abgeranzte Raucherkneipe. Hier: Diskussion darüber, ob Fernsehen dumm macht. Diskussionsergebnis: Einerseits ja, andrerseits nein. Man kann keine Pauschalaussagen machen, man muss immer den Einzelfall betrachten. Laus findet die Frage eh bescheuert. Hat aber nichts mit der Studentin zu tun, sondern mit der Frage. Und so mogeln wir uns den ganzen Abend um klare Aussagen herum. Auch die Anfrage der Studentin, ob wir nicht mal Auftreten wollen, um unsere Urlaubsfahrten zu finanzieren, beantworten wir mit einem klaren, einerseits klar, wäre natürlich cool, andrerseits, nein, eigentlich müssten wir ja dann proben und das wäre ja dann auch anstrengend. Aber man darf da keine Pauschalaussagen treffen. Man muss dann immer den Einzelfall anschauen.

Und dann wachen wir auf und müssen heim. Scheiden tut weh und so.

Im Zug: Diskussion, warum Liechtenstein ein eigener Staat ist. Antwort: Wegen Napoleon. Überlegung: Wir kaufen Nadelstreifenanzüge, nehmen schwarze Koffer und mieten uns dort ein.

Dann noch: Evalution. Ist ja auch wichtig.

Nächstes Mal:
Ichael: Synagogen vorher auschecken, damit der Besuch nicht so kläglich scheitert.
Anfred: Ich erkläre mich bereit nächstes Mal Iberogast mitzunehmen. Wegen der Schnitzel.
Ennis: Gut war, dass wir so viel gelaufen sind, was nicht selbstverständlich ist. Dass wir wichtige Stätten besucht hatten. Kartfahren war cool. Das Essen war mir zeitweise zu reichhaltig, zu massiv. Aber, warte mal, jetzt muss ich noch irgendwas kritisches… also ich würd’s auch lieber im Sommer und… und das mit dem Sigmund-Freud-Museum kann man ja nicht wissen. Das ist wie mit dem Stasi-Museum in Berlin.
Laus: Ich fand nicht alles toll.
Ennis: Wie unamerikanisch von dir.
Laus: Toll, dass wir gemeinsam in einem Zimmer waren. Da ergeben sich nachts tolle Gespräche. Das ist für die Gemeinschaft förderlich. Schlecht fand ich, dass wir so viel gelaufen sind, das kostet Kraft, dafür sind wir zu alt. Toll: Die Wahl des Ziels. Tolle Stadt mit vielen Möglichkeiten. Schwierig, muss ich zugeben: Die Kälte. Andererseits glaube ich, dass der Sommermännerurlaub passe ist. Ebenfalls toll: Die wunderbare Organisation, sowohl die Zugfahrt wie auch die Unterkunft. Aber vielleicht sollten wir alle elektrischen Geräte zu Hause lassen sollten. Alle, Ens. Wunderbare Männerurlaub, bei dem die Männerinhalte zu kurz kamen. Alles andere war wunderbar. Gerne wieder so.
Ichael: Kartfahren, das war richtig geil!
Ens: Ich fands auch gut. Ganz prima.

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Über Ens Oeser

Ens Oeser ist zusammen mit Laus Itzigmann und Ennis Eineck die Band ACH. Das allen Äußerungen der Band zugrunde liegende Konzept ist "Hobbypop".
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