ACH in Wien, Tag 3

Letzten Endes geht es ja um Bildung, wenn man eine Reise macht. Man will die fremde Kultur kennen und verstehen lernen. Darum sind wir heute morgen zum Prater gefahren. Mit dem Ziel die österreichische Kirmeskultur kennen zu lernen. Was wir zunächst gelernt haben war aber dies: Hier hat morgens alles zu. Außer das Riesenrad. Anfred und Ichael drehen eine Runde. Dabei machen sie sich Gedanken über die Gesetze der Schwerkraft, Abnutzung und Wartung des Riesenrades, sowie grausame Zufälle und was so alles passieren kann.
Laus, Ennis und ich gucken derweil nach der Kartbahn. Sie hat geschlossen. Wir trösten uns mit dem Megapower-Automaten: Ennis könnte, wenn er nur wollte, mit seiner eisernen Faust ein Nashorn ins Koma hauen. Laus und ich nicht so. Der Megapowerautomat ist ein Boxsack, auf den man drauf hauen muss. Dann zeigt er auf einer Skala an, wieviel Kraft man hat. Tolle Sache. Vor allem für die, die viel Kraft haben.

Dann Augarten. Flaktürme. Diskussion in welchem Wolf-Haas-Roman die Flaktürme vorkommen. Wir kommen nicht drauf. Darum: Pizza hinter dem Augarten. Pizzeria Piazza. Stark: Hier gibt es eine Zigarrenkarte. Wegen Sigmund Freud? Wegen der Phallussymbolik? Kann man nicht wissen. Ich finde unter dem Tisch das Feuerzeug der Bedienung. „Sie sind ein Engel“, sagt sie zu mir. Danach gehts mir besser. Deutlich. Ich bin ein Engel.
Wieder auf der Straße: Pferdespezialitäten. Das also machen sie mit den Lippizaner-Pensionisten.

Dann geht’s zur UNO. Muss an DÖF denken: „Hässlich, ich bin so hässlich…“ Hässliches Gebäude. Sehr hässlich. Der Sicherheitsdienst stresst. Kontrolle wie am Flughafen. Aber dann: Zeit für Kaffee und Zeitung. Wichtigste Schlagzeile: Der Pornolehrer. Super: Die Conchita-Wurst-Maske zum Ausschneiden. Österreich ist gendermäßig ganz vorn dabei. Außerdem ist Faschingsdienstag.

Ich kriege als Bundeswehrveteran drei Euro Nachlass. Nach all den Jahren. Stark.
Ein komplett uninspirierter Führer führt uns durch das UNO-Gebäude. Jetzt haben wir das auch gesehen.
Ichael hat keinen Ausweis dabei. Er darf nicht rein. In einer olympiareifen Leistung rast er zum Hostel, holt seinen Pass, rast zurück und stößt doch noch zu uns. Sehr Stark.
Dann zurück zum Prater. Die Kartbahn wartet. Aber vorher noch: Mega stark auch Anfred am Megapowerautomat. Fühle mich sicher.

Dann Kartrennen. Ichael mit beträchtlichem Ehrgeiz. Anfred härtester Konkurrent. Ben Hur nichts dagegen. Sportliche Höchstleistungen am laufenden Band.
Im Hostel: Schachduell. Ennis gegen Anfred. Deep Blue gegen Kasparow. Laus schläft vor Anspannung ein.

Der Abend. Anfred berichtet: „Wir waren bei Schnitzelwirt. Riesige Schnitzel. Hat gut geschmeckt, muss man sagen. Obwohl das Fleisch nicht aufdringlich nach Schweinefleisch geschmeckt hat. Ich weiß nicht, ob das ein gutes Zeichen ist. Aber günstig war’s für diese Lage. Und die Schnitzel hängen über den Tellerrand, und wenn man es schon nicht schafft über seinen eigenen Tellerand hinaus zu schauen, kann man wenigstens Schnitzel essen, die über den Tellerrand hängen.“ Gut gesprochen, würde ich sagen. Laus: „Die Schnitzel waren unverantwortlich.“ Er deutet es mit den Händen an: „Solche Massen.“ Anfred: „Wer beim Schnitzelwirt war, hat jedes Recht verspielt, sich je wieder zu äußern über Tiermoral oder Massentierhaltung.“ Tja und damit ist über den Schnitzelwirt in der Neubaugasse wohl alles gesagt. Mehr als nur Abendessen. Eher Abendmästen. Oder vielleicht doch noch das: Josef Hader war da. Josef Hader. Also nicht gestern. Sondern vor ein paar Jahren. Aber immerhin.

Anschließend in der Billardbar „Köö“ in der Mariahilfer. Anfred: „Ein schwer asiatisch geprägtes Publikum. Und da stellt man sich schon die Frage, ob der Asiate eigentlich billardaffin ist. Dabei bringt man den Asiaten ja mit ganz anderen Dingen in Verbindung. Karaoke zum Beispiel.“

Zu unserer Art des Billardspielens meint Anfred: „Kunst ist Andeutung, anders gesagt: Ich kann es nicht. Zufallstreffer und Unvermögen wechseln sich ab.“ Und das können alle außer Laus unterschreiben. Weil Laus: Meister!
„Eines sei noch gesagt“, fügt Anfred an, „es ist sehr auffällig, dass die Nichtraucherschutzgesetzgebung hier auf dem Stand ist, wie bei uns als wir noch kein Nichtraucherschutzgesetz hatte.“ Man fühle sich in dem Nichtraucherkabuff ausgeschlossen. „Man hat kein Darts, keine Bar, kein Klo und solche Sachen.“ Da kann man nichts hinzufügen.
Zum Einschlafen: Quizduell.

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Über Ens Oeser

Ens Oeser ist zusammen mit Laus Itzigmann und Ennis Eineck die Band ACH. Das allen Äußerungen der Band zugrunde liegende Konzept ist "Hobbypop".
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