Die Antwort lautet: 42!

Am 22. Dezember bin ich 42 Jahre alt geworden. Laut dem Computer „Deep Thougt“ ist die Zahl 42 die Antwort auf die Frage nach „dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest“. „Deep Thougt“ kommt in dem Roman „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams vor. Eine außerirdische Hochkultur hat ihn gebaut, um heraus zu finden, was der Sinn allen Seins ist. Als der Computer nach sieben Millionen Jahren, die Antwort berechnet hat, sind Außerirdischen sind von der Antwort ziemlich enttäuscht. Aber der Computer weist sie zurecht: „I think the problem, to be quite honest with you, is that you’ve never actually known what the question is.“ Die Antwort auf ihre Frage, sei ziemlich genau 42. Und so sind die Vierziger: Man denkt man hat es geschafft, aber irgendwie weiß man auch nicht so recht.

Ich finde, dass einen das als Zweiundvierzigjährigen schon ein bisschen unter Druck setzt. Interessant ist jedenfalls, dass das Durchschnittsalter der Bevölkerung der Bundesrepublik Deutschland exakt bei 42,1 Jahren liegt. Sagt das Statistische Bundesamt und dann muss es ja wohl wahr sein.
42 ist also nicht nur die Antwort auf den Sinn des Seins, sondern auch deutscher Durchschnitt. Das normalste vom Normalen quasi. 42 ist das, was in der Klassenarbeit der Dreier ist. Nicht wirklich schlecht, aber auch nicht richtig gut. Und ein bisschen so fühle ich mich auch.
Mit 22 habe ich geglaubt, es sei erstrebenswert Rockstar zu werden. Mit 32 hatte ich noch die vage Hoffnung, ich könne ein berühmter Schriftsteller oder Philosoph werden. Mit 42 habe ich die Hoffnung, dass die Landesbank mein Fertighaus finanziert, dass meine Kinder ihren Weg machen werden und dass ich ansonsten meine Ruhe habe.

Und wenn man es nüchtern betrachtet, dann bin ich geboren, zur Schule gegangen, zur Bundeswehr, war studieren, dann habe ich gearbeitet, dann geheiratet, dann Kinder gekriegt und ein Auto gekauft. Und jetzt ist das Haus dran. Noch normaler geht´s eigentlich nicht. Also genau das, was man in Zeiten knapper Aufmerksamkeitsresourcen und der völligen Überbewertung der kreativen Kraft der Individualität eigentlich nicht will. Ich bin Durchschnitt. Ich bin normal. Ich bin 42. 42 ist das Synonym für Normalität.

Man kann die Sache aber auch noch ganz anders angehen. Wenn man wissen will, ob man denn nun etwas erreicht hat, dann kann man sich ja mit seinen Eltern vergleichen. Und siehe da: Mein Vater war 42, als ich zur Welt kam. Ich war das vierte Kind. Bei mir ist kein viertes Kind in Sicht. Und ehrlich gesagt: Es wäre mir auch zu anstrengend. Mein Vater hatte mit 42 überhaupt keine grauen Haare. Er war schlank und rank und wirkte insgesamt wesentlich jünger als 42. Er trug Anzug und Krawatte, hatte sein Haus bereits im Alter von 32 Jahren gekauft und mit 42 zur Hälfte abgezahlt.
Also, wenn ich es mir so überlege, ist dieser Vergleich vielleicht ja doch nicht so gut. Man kann die frühen Siebziger Jahre doch gar nicht mit heute vergleichen.
Bei meinem Hausarzt igonriere ich schon seit zwei Jahren ein Plakat für einen Gesundheitscheck für „fitte Vierziger“ mit dem Schwerpunkt auf Herz und Kreislauf. Das ist auch so etwas worüber man mal nachdenken sollte. Fitte Vierziger?
Mein Freund Anfred hat mir zum Geburtstag Pflegeprodukte von L’Oreal Men Expert geschenkt. Eine „Anti-Age Total“ Creme und eine „24H Anti-Müdigkeit“-Creme. Beide Produkte haben fünf „Anti-Age-Wirkungen“: Anti-Falten, Anti-Trockenheit, Frischer Teint, Hautstraffung, Feste Haut. Alles kein Fehler, wenn ich mich so angucke. Darum benutze ich das jetzt auch fleißig. Obwohl Anfred gesagt hat, er habe das Zeug auch benutzt, aber es habe nichts geholfen. Und es stimmt wirklich, seit die Leute um mich herum vierzig werden, sehen sie echt älter aus. Faltiger und so. Ich jedenfalls finde, ich sehe schon jünger aus, seit ich das L’Oreal Zeug benutze.
Andrerseits bin ich ja froh, dass ich nicht mehr so jung aussehe. Noch mit Ende zwanzig haben die Leute auf der Sparkasse mir Knax-Hefte mitgegeben. In Hamburg bin ich aus der Spielothek rausgeflogen. „Erst ab 18“, hat der Mann gesagt. Ich war damals 28.
Es ist gut, nicht mehr 12,22 oder 32 zu sein. Kein Schüler, kein Soldat, kein Student oder Berufsanfänger mehr. Es ist gut das alles hinter sich zu haben. Damals war es okay, aber nochmal? Nein. Wirklich nicht.
Ich finde meine grauen Haaren gut. Und ohne Anfred würde ich auch zu meinen Falten und meiner schlaffen Haut stehen. Ist schon okay. Und letztlich muss man ja dankbar sein, dass man jeden Tag älter wird. Ist doch gut. Einerseits, andrerseits.
Die Vierziger sind ein bisschen wie die Zeit mit 17. Nur länger. Mit vierzehn gewinnt man an Rechten dazu, mit Sechzehn auch. Und dann wird man Siebzehn und nichts passiert. Stagnation. Siebzehn ist nur das Bückenjahr zur Volljährigkeit. Kreuzunnötig. Und so kommen mir die Vierziger auch vor. In den Dreißigern passiert eine Menge. Zusammenziehen, Heiraten, Beruf. In den Vierzigern geht einfach alles weiter. Fünfzig, das klingt schon ganz anders. Da ist man dann richtig alt. Vierzig ist nicht jung und nicht alt, sondern dazwischen. Fünfzig ist dann irgendwie wieder cool.
Aber folgende Lebensweisheit habe ich jetzt schon mal parat: Das einzige, was sicher ist, ist, dass nichts sicher ist. Ziemlich viele Kommas. Oder Kommata? Egal. Wahr ist es trotzdem. Wenn auch nicht neu.
Jetzt bin ich jedenfalls erst mal 42.
Hier noch ein paar aufregende Fakten zur Zahl.

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Über Ens Oeser

Ens Oeser ist zusammen mit Laus Itzigmann und Ennis Eineck die Band ACH. Das allen Äußerungen der Band zugrunde liegende Konzept ist "Hobbypop".
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