Die Geschichte zum Lied: Die Göttliche (1997)


Dieses Lied ist der Studentin 1997 gewidmet. Die Studentin des Jahres wurde von der Cafetenmafia herbeidiskutiert. Die wichtigste Bedingung war, dass wir das Mädchen nicht kannten und sie noch nie sprechen gehört hatten. Denn, so zeigte unsere Erfahrung, das versaute manchmal den guten Eindruck ziemlich. Mädchen, die wir kannten, konnten nicht Studentin des Jahres werden. Es ging um Stilfragen.

Und ähnlich wie bei den Urteilen des Bundesverfassungsgerichtes, war es auch bei der Göttlichen kein einstimmiges Urteil. Allerdings habe ich völlig vergessen, wer gegen sie gestimmt hat. Ochen wahrscheinlich. Andererseits, weiß ich gar nicht mehr, ob der eigentlich stimmberechtigt war.
Die meisten Mädchen, die von der Cafetenmafia als Studentin des Jahres nominiert wurden, bekamen einen Namen. Es gab „die Holzhammerfrau“, es gab „die Keltische“ und es gab eben auch „die Göttliche“.
Und so wurde „die Göttliche“ zu dritten Studentin des Jahres, die von der Cafetenmafia gewählt wurde. Sie hat es nie erfahren. Und wahrscheinlich hätte sie unsere Entscheidungskriterien auch nicht sonderlich schmeichelhaft gefunden. Der Text des Liedes besteht aus der Aufzählung der entscheidenden Eigenarten, die sie für uns zu „der Göttlichen“ machten.
„Sie hat Pickel,
Sie ist dürr,
Sie hat die Sachen vom Quellekatalog Herbst ’87 an
und sie hat Terence Hills Augen
und sie ist jung.
Sie ist zu klein,
Sie läuft zu schnell
und sie hat fettige Haare,
und komische Freunde,
und sie lacht nie.
Und sie ist göttlich.“
Das ist die erste Strophe. Und da sieht man schon. Aber wir fanden sie ungelogen und ehrlich toll, so vom Stil her. Wir fanden das gut. So waren wir drauf, damals.
Der Text ist kein Cafeten-Gedicht. Er entstand in meinem Heimatort beim transzendentalen Dämmern auf dem Sofa in meinem Kinderzimmer. Die Musik ebenso.
Ich wollte ein Beatles-Lied für ACH. So wie „Dear Prudence“, „I’m the Walrus“ oder „Strawberry Fields“. Darum die Sechziger-Retro-Melodie.
Es stellte sich heraus, dass Ennis und Laus das Lied viel besser auf ihren Gitarren spielen konnten, als ich selber. Besonders cool ist dieser Waber-Effekt, den Laus auf seine Gitarre gelegt hat. Und was Effan mit dem Bass machte, das machte Paul McCartney alle Ehre. Obwohl er sich da wohl eher an The Who orientierte. Und Örgs Schlagzeug. Was soll man sagen? Ist halt super.
Die Aufnahme von „Die Göttliche“ auf Achstrasse orientiert sich an der viel zu hektisch gespielten Version unseres Auftritts im Jugendhaus in Weingarten. Es existiert irgendwo ein Demo, das weniger hektisch daherkommt, aber auch weniger harmonisch. Finde ich aber nicht mehr. Schade. Aber so ist er auf der Welt. Der Abglanz des Göttlichen ist nie das Göttliche selbst.
So auch bei der Göttlichen selber. Wir haben sie nie wieder gesehen.

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Über Ens Oeser

Ens Oeser ist zusammen mit Laus Itzigmann und Ennis Eineck die Band ACH. Das allen Äußerungen der Band zugrunde liegende Konzept ist "Hobbypop".
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