Menschenrechte und Geldsparen

Ich finde Menschenrechte gut. Die Landesregierung auch. Das finde ich gut von ihr. Darum setzt sie sich jetzt für die Integration behinderter Kinder in die Regelschule ein. Für die Inklusion also. Da kann man nichts sagen. Höchstens: Recht so!
Die Landesregierung findet auch das Sparen gut. Finde ich auch gut. Wenn man spart, dann hat man was für schlechte Zeiten.
Und jetzt ist interessant wie die Landesregierung die Menschenrechte mit dem Sparen verbindet. Sie führt die Inklusion ein, und zwar so, dass sie nichts kostet! Das finde ich sowieso gut.
Und da nervt es dann schon ein bisschen, wenn so ein kleinlicher Städtetagdezernent der Regierung vorrechnet, dass die Inklusion eines behinderten Kindes pro Jahr durchaus mehrere Zehntausend Euro kosten könnte, und er frage sich schon, warum eigentlich die Landesregierung die Kommunen in die Ausarbeitung der Eckpunkte zur Inklusion nicht einbezogen habe. Der schulpolitische Sprecher der SPD, Klaus Käppeler, wies den Dezernenten zurecht darauf hin, dass es hier ja immerhin um ein wichtiges gesamtgesellschaftliches Vorhaben gehe, und wenn dann tatsächlich Kosten anfielen, dann könne man die ja zwischen Bund, Land und Kommune aufteilen. Wer wird denn da jetzt jeden Cent umdrehen?
Toll finde ich auch, wie die Inklusion umgesetzt wird. Ich stelle mir da gerne einen „Creative-Room“ im Kultusministerium vor, in dem hippe junge Leute auf flippigen Möbeln rumhängen und auf Flipcharts ihre kreativen Einfälle notieren. Da entstehen dann Vokabeln wie „Sonderpädagogische Zentren“. Da fühlt man sich gleich wohl, das hört sich nach Dienstleitung an, nach Kundenfreundlichkeit und so weiter.
Bestimmt stammt auch der Vorschlag des Kultusministeriums für die Inklusion, den ich im Reutlinger Generalanzeiger gelesen habe, aus dem „Creative-Room“, wenn es ihn dann gibt: „Kinder mit der gleichen Behinderung, etwa Lernproblemen oder Hörschwierigkeiten, sollen zu Gruppen zusammengefasst werden, damit sie gemeinsam von einem speziellen Sonderpädagogen gefördert werden können.“ Toll! „Spezielle Sonderpädagogen“ fassen die Kinder mit „der gleichen Behinderung“ zusammen und „fördern“ sie. Mensch! Das ist ja mal eine Idee! Wahnsinn!
Finde ich gut. Ich hätte ganz in diesem Sinne noch einen kreativen Vorschlag für die Ausgestaltung der Gemeinschaftsschule. Man könnte doch die Schüler der Gemeinschaftsschule in Hauptschüler, Realschüler und Gymnasiasten aufteilen. Und die werden dann von speziellen Haupt-, Realschul- oder Gymnasiallehrern gefördert. Am besten in eigenen Gebäuden. Sogenannten Hauptschulen, Realschulen und Gymnasien. Kosten würde das auch nichts. Wäre ja alles schon da.

 

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Über Ens Oeser

Ens Oeser ist zusammen mit Laus Itzigmann und Ennis Eineck die Band ACH. Das allen Äußerungen der Band zugrunde liegende Konzept ist "Hobbypop".
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3 Antworten zu Menschenrechte und Geldsparen

  1. Atrin schreibt:

    ACH ja, es könnte so schön sein.

    • fraulehrerin schreibt:

      Wenn es mal irgendwo KEINEN Creativ-Room gibt, dann im Kultusministerium. Diese Gruppenlösung haben sich Pragmatiker ausgedacht

      • Ens Oeser schreibt:

        Stimmt. War letztes Jahr dort. Die haben da gar keinen Platz für sowas. Aber ich fand die Vorstellung so schön. Jungs mit Vollbärten, Hornbrillen, Seidentüchern und engen Hosen, die sich Gedanken machen, wie das Bildungssystem noch besser werden kann … so arbeitsamtservicecentermäßig.

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